Archiv der Kategorie 'Kulturindustrie'

Allererste nichtsexististische Bierwerbung gefunden!

Nicht immer nur negativ sein, gell?
Also schnell den Fund des Jahrhunderts posten & loben: Es gbt mit Sicherheit viel Biersorten und alkoholische Getränke, deren Werbung „nicht so schlimm“ im Sinne von nicht offen und plump sexistisch ist.
Bisher habe ich aber nur eine einzige Biersorte gefunden, deren Werbung einfach so ist wie sie sein sollte, nicht-sexistisch und ohne komische Geschlechteranspielungen. (mehr…)

Babe, I‘m back again

Hallo liebe (vielleicht (noch)) vorhandene LeserInnen und Leser. Nachdem der Blog so lange brach lag, habe ich mich entschieden, ihm mal wieder anzufassen und sogar herausgefunden, mit welchen Daten ich mich registriert hatte. Hurra.
Enjoy, oder auch viel Spaß dabei.

Best of sexistischste Werbung ever

Verwundert über die Überschrift? Nun, ein „Best of Sexismus“ zeigt natürlich das widerliche Ende des Spektrums, also Produkte und Kampagnen, die den Negativpreis fürs (SexistischeKack-)Scheisse-sein gewinnen.
Denn unabhängig davon, daß ich Alfa Romeos eklige Werbung niedergerungen habe, ist die Welt noch immer voll davon und es ist viel zu tun.

Gegen eine Firma, die mir schon seit Jahren bekannt ist, nämlich dafür, die widerlichsten, plattesten und am offensten sexistischen Werbungen zu machen, gibt es seit 2011 erfreulicherweise ein Initiative.

Unter http://wasdagegen.blogsport.de/ wehrt sich eine Gruppe (?) dagegen und macht Meinung und Boycottaufrufe gegen Astra und dokumentiert das alles.
Erstmal danke, daß es Euch gibt!

Zum anderen ist dies eine Gelegenheit, ins Ekelarchiv zu greifen und einige „schlimmste“ Werke nochmal zu veröffenltichen. Nicht ohne die Mahnung: Leute, trinkt das nicht!
Und: Macht’s wie der Wasdagegen-Blog: Schreibt es ihnen (und vielleicht auch dem Werberat?!)

Hier die Grusel Galerie, die Ihr übrigens auch stolz präsentiert und als Plakate zum Bestellen von Astra selbst bereitgestellt findet…

Beispiel von 2005:
astra 2005 no 1

Die hier sind nicht mehr zu bestellen, was die Motive auch nicht besser macht.
astra 2005 no 5astra 2005 no 3



Man sieht: Ein bisschen Sexismus ist hier kein Ausrutscher, sondern das Konzept der Werbung. Seit Jahren.

Am allerekelhaftesten ist doch das Kokettieren mit der Käuflichkeit von Frauen. Pfui, pfui, pfui!
Mit kommt Astra schon lange nicht mehr ins Haus, und wenn ich Leute sehe, die das Trinken, spreche ich sie drauf an, daß sie das lassen sollten, egal wie das Zeug schmeckt….

Zeichen und Wunder?

Wow. Obs ein Wunder ist? Ich hab jedenfalls nicht daran geglaubt, daß der Werberat was gegen die sexistische Kackscheisse, sprich die Guiletta-Werbung (siehe vorheriger Blogbeitrag) tut.
Aber doch, sogar recht fix bekam ich eine Antwort, die ich hier dokumentieren will.
werberat-antwort zum sexistischen alfa romeo guiletta-spot

DATUM 1. Februar 2012
BETRIFFT Aktueller TV-Spot für den Alfa Romeo Giulietta

Sehr geehrte(r) Frau/Herr K.,
wir nehmen Bezug auf Ihre Beschwerde vom 20. Januar 2012 und teilen Ihnen mit, dass wir das werbende Unternehmen zur Stellungnahme aufgefordert hatten.

Die für den Spot verantwortliche Fiat Group Automobiles Germany AG hat uns versichert, dass es auch mit den firmeninternen Prinzipien und Leitlinien nicht vereinbar wäre, Personen herabzusetzen oder die Gefühle von Frauen zu verletzen.

Nee, natürlich nicht. Never!

Den Vorwurf einer „sexistischen Motivation“ des beanstandeten Spots wies das Unternehmen zurück, zumal man mit dieser Werbung gerade Frauen habe ansprechen wollen.

Waaas?! Im Ernst? Damit wollen die Frauen ansprechen?

Um jedoch keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, habe sich das Unternehmen entschieden, den TV-Spot ab dem 1. Februar 2012 nicht mehr in dieser Form einzusetzen.

Da der Deutsche Werberat entsprechend seiner Verfahrensordnung eine Beschwerde über eine Werbemaßnahme nicht weiter verfolgt, wenn die werbende Firma sich bereit erklärt hat, die Werbung zu ändern oder nicht mehr zu schalten, sehen wir die Angelegenheit als erledigt an.

Wir bedanken uns für Ihren Hinweis und verbleiben
mit freundlichen Grüßen

Ich bin ja ganz gerührt! Ob die wirklich wegen mir die Werbung einstellen? Oder ob sie eh noch einen viel schlimmerern, sexistischeren Spot in der Hinterhand haben, den sie sowieso ab Februar senden wollten?

Abwarten.

Dem Werberat hab ich jedenfalls noch zurückgemailt, daß ich den in der Beschwerde angegegebenen YoutubeChannel als durchaus der Firma Fiat zuzurechnen halte. Mal sehen, ob dazu noch was passiert.

Doch, ich freu mich jetzt auch ein bisschen, weil ich mit der Beschwerde und ihrer Verbreitung was Gutes getan habe.

Sexistische Kackscheiße: Benutze mich!

Giulietta von Alfa Romeo – ekelhafter TV Spot

Ich hab mich beim Fernsehen furchtbar über einen Werbespot geärgert. Man /Frau ist ja viel sexistischen Müll gewohnt, hier hat mich aber zusätzlich geärgert, daß sexistische, schmuddelige Assoziationen nicht etwa von einer Schmuddelhotline bedient werden (auch schlimm, die müssen wir auch noch alle tot kriegen, damit mensch sich den Müll nicht mehr anschauen muß!) sondern durch einen großen, rennomierten Autohersteller als „normal“ oder „hoffähig“ betrachtet werden.

guiletta
Das Auto (nicht im Bild) wird verkauft – nicht die Frau. Oder?!

Ich habe eine Programmbeschwerde gemacht (Hat NULL Aussicht aus Erfolg, aber aus Prinzip) und habe mich beim – tatsächlich zuständigen – Werberat beschwert. Unten seht Ihr meine schnell runtergeschriebene Argumentation.
Ich würde mich freuen, Wenn Viele sie noch nutzen und/oder ausschlachten wollen.

Viele Beschwerden sind besser als wenige!
Ich empfehle auch ab und zu mal anzukreuzen, daß man ein Mann ist. Ich habe nämlich den Verdacht, daß Sexismus Beschwerden nicht so recht ernst genommen werden. Der Werberat geht zudem lieber gehen „leichte gegner“, sprich ungern gegen große Firmen vor. Sei’s drum.


Beschwerde über TV Werbung.

Pro 7 22:02 Uhr: Werbung „Guilietta“
Wo noch: ständig überall, auch im Internet.URL z.B. : http://www.youtube.com/watch?v=b5ED8f9Mw2o&feature=player_detailpage

Grund meiner Beschwerde: Widerlicher Sexismus.
Der Spot vergleicht eine Frau (die Frau an sich?!) mit dem Produkt. Dies geschieht durch ständiges Gegeneinanderschneiden von Bildern der Frau mit dem Auto. Soweit ärgerlich, aber das Ganze wird extrem gesteigert indem es einen agressiven Text zu den jeweiligen Bildern gibt:

„beobachte mich, berühre mich, fühle mich (Bild Frau), streichle mich, benutze mich (lauter),
beflügele mich, begehre mich (Bild: Frau kniet vor einem Mann (wozu wohl?! Sexuelle Konnotation!) und steht langsam auf),
verehre mich (Halbes Frauengesicht am Ohr eines Mannes),
beschütze (Bild: Kinder), fordere,
provoziere mich (Bild: Frau schlägt Autotür zu.),
liebe mich (Bild: Frau und Mann im Whilpool?),
beruhige mich, ich bin Guilietta (Frau sitzt AUF (Nicht etwa IN) dem Auto).
Bild nur Auto: Bevor Du über mich sprichst, teste mich.

Blabla. Auto jetzt für xy Euro.“

Insbesondere die Passagen, die mit Körperbildern der Frau unterlegt sind, empfinde ich als sehr aggressiv und dazu auffordernd, Frauen eben wie einen Gegenstand zu sehen: Es wird als das gleiche angesehen, eine Frau zu streicheln oder ein Auto, logo muß man weder Frau noch Auto um Erlaubnis fragen, wenn das so ist. Frauen werden also entmenschlicht.
Insbesondere „Benutze mich“ überschreitet deutlich jede Grenze des Respekts vor Menschen, insbes. Frauen, auch „provoziere mich“ hat einen üblen Beigeschmack in dieser Text-Bild Kombination.

Die Werbung finde ich insofern sexistisch und verrohend, weil es sexistische Steroeotypen, die schon existieren auch noch weitertreibt und sich bemüht die Grenze noch weiter hinauszuschieben. Der Spot ist unerträglich und beleidigend.
Ich möchte mir nicht vorstellen, was in einem Kinderhirn daraus gebastelt wird.

Kleine Nebeninformation:
Bei einer Stichprobensuche nach dem Video gelangt ich zu einem Alfa Romeo Forum. Man diskutiert die Werbung, natürlich fallen Sätze wie: „Find ich gut! Ich reite sie gern, meine geile (SCH)Lampe“.
Meiner Meinung ist die Werbung NUR darauf angelegt. Im Forum fallen auch Einschätzungen wie „Das ist ja Bunga Bunga“.
Ja, das ist es.

Beschwerden können abgegeben werden über Kontaktformulare, die meisten Daten (Angaben zur eigenen Person) sind freiwillig.
http://www.programmbeschwerde.de/programmbeschwerde-1
http://werberat.de/content/Beschwerdeformular.php


Und noch ein bisschen Rumgeschimpfe

Soviel zur „zahmen“ oder „offiziellen“ Argumentation, die sich gemäß dem konservativen, wenig zur Verurteilung von Sexismus geneigten Adressaten Werberat nicht zu sehr empört und sehr an den Fakten. Sonst bin ich hintergher die total schlimme, hysterische Frau, und das wollen wir nicht. Hier auf meiner Spielwiese hingegen kann ich ja sagen, schreiben, was ich will und da kann ich auch noch mal Dampf ablassen:
Wer hat denen denn ins Gehirn geschissen?! „Benutze mich“ – jetzt im Ernst? Sogar jemand, der noch nie von Sexismus gehört haben sollte, weiß an dieser Stelle Bescheid! Ja, ich reg mich auf, und ich reg mich auch auf, weil sie es so sehr MIT ABSICHT tun. Die wissen einfach was sie tun, und die finden es ok wenn nach dem Spot die ein oder andere Frau „benutzt“ und „provoziert“ wird. Haha, wieso lach‘ ich bloß nicht mit?!

Normalerweise werden die sexistischen Werbungen (also die, die vorm Werberat landen) immer von kleinen, unprofessionellen bars, Discos, Landgasthäusern (Beispiel: „Alter Kanal“. OMG!) gemacht.
Vorm Werberat: Alter Kanal.
Da setzen sich dann Leute dran, ich ich nach ihrer Werbung beurteilt auf alle Fälle doof finde, die aber eine Entschuldigung haben: Sie haben noch nie drüber nachgedacht, sie sind nicht in ihrem Metier, sie sind vielleicht auch echt unbegabt, was Sprache angeht und vielleicht ungebildet. Das macht die Sache nicht gut, aber es spielt in einer anderen Liga als wenn die hochbezahlte Truppe von Alfa Romeo daherherkommt und vergleichbaren Schund (mit vieel Geld und vieel Nachdenken) publiziert.

Meinen Preis für die ekligste Werbung 2012 – das Jahr ist noch jung – hat Alfa Romeo bereits gewonnen.

Der Oberhammer: Dieser Müll gewinnt auch noch Preise. Nein, nicht das Auto, die Kampagne gewinnt bei „Das goldene Lenkrad“. Aha, ein Preis der Springerpresse, alles klar. So wäscht eine sexistische Hand die andere.

Hier die Werbung – Noch nicht vorm Werberat, aber vielleicht bald?- Guiletta.
guiletta2 standbild
(ach, ich darf sie nicht einbetten?!. Nagut, dann eben nicht.)
Hier auf Youtube oder vimeo
Hier zum Runterladen – vielleicht baue ich die Tage noch einen Player.

Frauenverachtender Bushido für Integration geehrt

Bushido versus Pocher?

Gestern oder so wurde Bushido mit einem Bambi für seine Mithilfe bei der Integration Jugendlicher geehrt. So weit, so scheiße.
Ich find’s nicht ok, wenn jemand mit frauenverachtendem Texten geehrt wird.

ABER

Andererseits macht es mich doch mißtrauisch, wenn sogar die „BILD“ ihre antisexistische Seite hervorkehrt und auf einmal findet, daß doch seximus ih-bäh sei. Was natürlich am Bildzeitungsinhalt mal nix ändert. Das macht mich mißtrauisch.
Wenn die Bild oder die CSU ihre feministische Seite hervorkehren, dann hat das meist Nichts damit zu tun, daß Feminismus und seine Ziele, also eine gleichberechtigte Teilhabe der Frau und Menschenrechte für die Frau auf einmal in voller Gänze als Ziele anerkannt werden, sondern meist bedeutet diese Wendung nur eines, nämlich daß es gegen einen schlimmeren Feind anzugehen gilt und daß man (Bild) dann eben mit der ungeliebten Gleichberechtigung packtiert.

bushido freut sich />

Es werden die ganze Zeit, also ständig, immer und überall Leute geehrt, die rassistisch, sexistisch, homo-feindlich oder sonstwas sind, ohne daß ein Hahn danach krähen würde oder diesen Leuten gegen den Karren gefahren würde.
Spontane Assoziation: „Kiturak“ beschreibt, daß der TAZ Obersexist Deniz Yücel mit dem Kurt-Tucholsky-Preis ausgezeichnet wurde.

Oder was ist denn mit Oliver Pocher und Mario Barth? Die werden doch auf allen Sendern ins Programm genommen und bejubelt. Wenn ich jetzt mal von der tatsächlichen summierten Schädlichkeit dieser Personen ausgehe, also Breitenwirkung und sowas, tja, da muß ich meine Ursprungsmeinung gegen Bushido zwar nicht zurückziehen, aber zumindest relativieren.
Ja, Bushido ist doof, ich würd‘ ihm keinen Preis geben. Gar keinen. Ich würd aber auch noch ganz anderen Leuten keinen Preis geben, sie nicht ausstrahlen und gewiss nicht noch für ihren Shit bezahlen oder bejubeln. Im Verhältnis ist dann Bushido schon gar nicht mehr soo schlimm. So schlimm es ist, das schreiben zu müssen.

Ja die Verhältnisse!

Neben der Empörung über Bushido sieht die „Bild“ so aus. Eben antisexistisch. Bestimmt bezieht der Artikel über „Hure Hilda“, kritisch Stellung zu Rechten von Prostituierten. Und „Auf die Backen“ mit dem Popobild handelt – wie subversiv, da „Porno“ hinzuschreiben – eigentlich vom Schminken, vermute ich. Kurz: Alles klar erkennbar antisexistisch, wenn Mann es nur erkennen will!
bild freut sich

Riesensauerei: Der „Let women die“ Act passiert das US Repräsentantenhaus

Was für eine Schweinerei!
Schwangere sollen jetzt in den USA vor den Augen von Ärzten, die ihnen nicht helfen, sterben.

Das o.g. Gesetz besagt, daß Frauen keine lebensrettende medizinische Hilfe bekommen, wenn dadurch eine Abtreibung zustande käme – auch wenn sie dann sterben.

Das Gesetz:

prohibits women from buying health insurance plans that cover abortion under the Affordable Care Act and makes it legal for hospitals to deny abortions to pregnant women with life-threatening conditions. […]
An even more controversial aspect of the bill would allow hospitals that are morally opposed to abortion, such as Catholic institutions, to do nothing for a woman who requires an emergency abortion procedure to save her life. Current law requires that hospitals give patients in life-threatening situations whatever care they need, regardless of the patient’s financial situation, but the Protect Life Act would make a hospital’s obligation to provide care in medical emergencies secondary to its refusal to provide abortions.
(Quelle: http://www.huffingtonpost.com)

und

„According to the American Journal of Public Health, Catholic hospitals already have a years-long history of ignoring the emergency care law to avoid performing abortions.“ (ebd.)


Etwas mehr Erklärung:

The sponsors of the Protect Life Act have a question few ever ask: what happens when a patient requires an emergency abortion to save her life? Proponents want to empower hospitals to simply let the woman die.
The bill … is an amendment to the 2010 health care reform law that would modify the way Obamacare deals with abortion coverage…. [C]ritics say a new section of the bill inserted into the language just this week would go far beyond Stupak, allowing hospitals that receive federal funds but are opposed to abortions to turn away women in need of emergency pregnancy termination to save their lives. […]
[Rep. Joe Pitts’ (R-Pa.)] bill would free hospitals from any abortion requirement under EMTALA, meaning that medical providers who aren’t willing in terminating pregnancies wouldn’t have to — nor would they have to facilitate a transfer. (Quelle: http://www.washingtonmonthly.com


Etwas weniger freundlich formuliert – zu Recht – Jodi Jacobson und nennt das Gesetz den „Let-women-die-Act“
Quelle: http://www.rhrealitycheck.org

Today the GOP-led House of Representatives, with the blessings and encouragement of the United States Council of Catholic Bishops and extremist religious groups such as the Family Research Council, passed a bill in a vote of 251 to 172 that would, among other things, allow doctors and hospitals to „exercise their conscience“ by letting pregnant women facing emergency medical conditions die.
Yes. Die.
This is what the Republicans called the „Protect Life Act.“ And no, I am not kidding.
House Minority Leader Nancy Pelosi called it what it is… „a savage assault on women’s health.

Was die „Life protection“ nennen, ist also eine massive, gemeine Todesdrohung für jede Schwangere, die in irgendeine medizinische Notlage geraten könnte. Was für ein Wahnsinn! Wie kann sowas passieren? In einer so genannten Zivilisation? Ach ja, stimmt. Ist ja kein Einzelfall. Polen, ihr wisst schon, das Land direkt an Deutschland angrenzt, sieht das ja ganz genauso. Der europäische Gerichtshof für Menschenrechte war schon mehrmals damit befaßt, daß Schwangere nicht die nötige Hilfe bekommen, wenn es Baby-gegen-Frau steht.
Das Lebensrecht des Ungeborenen wird einfach immer höher bewertet, was im Umkehrschluss bedeutet, daß eine Frau, die im Leben steht und wer weiß was sonst noch alles tolles oder wichtiges tut (z.B. für weitere Kinder…) kein Lebensrecht mehr hat. Wie krass, ich bin jedesmal wieder völlig platt davon!

Eigentlich müsste ich diesem Thema noch mal einen langen, langen Thread widmen. Aber die Zeit, ich hab keine.
Fürs erste als Ersatz der Verweis auf Sarah Diels „Abortion Democracy“

Bechdel Test oder: Sexistische Filme

Ich komm‘ zu Gar Nichts, sowieso nicht dazu, hier was feines einzustellen.. Ein Jammer. Aber weil ich eben gerade mal wieder über diesen Test gestolpert bin, man dieses Video nicht genug streuen kann und es auch für mich selbst prima ist, wenn ich es via Blog immer wieder finde, kriegt ihr alle das nicht mehr ganz Neue, aber alltimes allzu gute Video
The Bechdel Test for Women in Movies Hier eingebunden…

Also macht den Test. Er wird Dir nicht sagen, ob ein Film gut ist oder ob der Film feministisch ist. Der Test geht um die schlichte Existenz von Frauen im Film. Und das Ergebnis ist erschreckend.

  • Gibt es zwei Frauen im Fim?
  • Habe sie Namen?
  • Reden sie miteinander – Nicht über einen Mann?
  • Ach, ich bin gerade so schön dabei. Weiter geht’s:


    Hier ist die Frage: Gibt es mehr als eine weibiche Hauptfigur? Sollt doch zu schaffen sein, oder. Ähm, wie? Nein?!
    t.b.c

    Eine Debatte entgleist

    Dawkins entgleist und eine Debatte auch. Aber trotzdem lehrreich

    Was ist passiert: Auf einem Atheisten Kongress in Dublin war eine Bloggerin, Rebecca Watson von „Skepchick“ auf dem Podium, die davon sprach, daß die Szene nicht allzu attraktiv für Frauen ist. Sie berichtet von „normalen“ Belästigungen und wie doof die sind, sie berichtet von schlimm sexualisierten Fanmails, von den Hatemails, die wohl auch die Männer kriegen und sie berichtet von den Vergewaltigungsandrohungen, die sie (wie die meisten Bloggerinnen) in der allergrößten Anzahl bekommt.

    Generell geht es wohl darum, daß die Atheisten tatsächlich (zu) wenige Atheistinnen anziehen und daß das doch schade ist und man mal drüber nachdenken soll.

    Hinterher postet sie einen kleinen Videobericht in ihrem Blog. In diesem Bericht erzählt sie neben vielen anderen Dingen, daß ihr just an diesem Abend nachts ein Typ in den Aufzug folgte, nachdem sie erzählt hatte, wie müde sie ist. Er sagte daß er sie interessant findet und ob sie nicht auf einen Kaffee mitkommt. Sie findet es nicht so toll weil im engen Aufzug und überhaupt creepy. Soweit.
    Das ist alles nicht so schlimm, aber eine ironische Gesichte von einem aus tausenden kleinen Nerverlebnissen mit Männern, die Frauen nicht recht zuhören (wollen?). Ironisch, weil er ihr, obwohl sie soo interessant ist, weder im Vortrag noch beim Tschüss-Sagen zuhört. Soweit, so alltäglich, es ist niemandem was passiert.

    An diesem tatsächlich kleinen Erlebnis entzündet sich nun aber DIE neue Internetdebatte, die vor allem in Atheistenblogs (scienceblog), nach und nach aber auch auf feministischen Blogs (mädchenmannschaft) und – haha – Maskulinistenblogs (allesevolution) losgeht.

    Stein des Anstoßes ist ein – darüber kann eigentlich nur Einigkeit bestehen – überaus agressiver Kommentar von Richard Dawkins dazu. Sein Tenor ist in etwa „Stell Dich nicht so an Mädel!“ – nur eben schlimmer, ekliger und rücksichtsloser. Much ado about nothing, möchte man meinen. Es geht um Männer und Frauen, um Vergewaltigungsvorwürfe, Sexismus, umgekehrten Sexismus, Männer, die angeblich „Gar nichts mehr dürfen“. Die Theorien reichen von „Dawkins soll fertig gemacht werden“ bis zu Feminismus-Nazi-Vergleichen.
    Aber wer bauscht eigentlich auf? Die Beleidigung auf einen schlichten Bericht hin kam von Dawkins, die vielen, vielen Kommentare und das meiste Geschimpfe kommt von irgendwelchen Männern.

    Rebecca Watson hat übrigens selber keine so starken Aussagen getroffen, sie möchte nur völlig überraschend nicht um 4 Uhr Nachts, nach dem sie müde von Gesprächen über unangenehme und unzulässige Sexualisierung auf ihr Hotelzimmer gehen will in einem Aufzug von einem fremden Mann angebaggert werden. Und bittet: Männer macht das nicht! PZ Meyers hat übrigens nicht die beschriebene Situation aufgebauscht, sondern wenn überhaupt aufgebauscht, dass so viele Kommentatoren und Reaktionen darauf so dämlich bis misogyn waren. (freigeisterhaus)

    Zahlreiche Personen jaulen laut im Internet auf. Aber: Warum fühlen sie sich davon überaupt be/getroffen? Man kann viele der Kommentare einfach im Umkehrschluß lesen:

    • Wer sagt, sie soll sich mal nicht so anstellen finden es also ok, wenn Männer immer Frauen anquatschen, auch wenn die das nicht wollen und (!) gesagt haben. Also nicht das Argument, daß sie nicht wussten / wissen konnten, daß die Frau nicht angequatscht werden will, sondern sie finden es eben trotzdem ok, eine müde Frau zu belästigen.
      Die „sich nicht so anstellen“ Fraktion sagt implizit, daß es egal ist, wenn eine Frau Nein gesagt hat, man muß sich nicht daran halten. Und Frauen sollen das dann hinnehmen und das nicht mal doof finden dürfen.
    • Wer sagt, daß man dann doch keine Frauen mehr anquatschen kann (wenn nicht allein und im Dunklen..), findet wohl, daß eine Anquatschsituation ruhig auch mal bedrohlich sein darf. Es ist ihnen zu anstrengend zu vermeiden bedrohlich zu wirken und sie finden, daß sie ein Recht darauf haben, bedrohlich zu sein. Sonst würde mann ja nie jemanden kennenlernen. Hallo?!

    Viele Kommentare gehen so in die Richtung „Was soll man denn dann machen“. Manche fragen ernsthaft, ob sie den Fahrstuhl nicht benutzen dürfen.
    Da kann man nur sagen: Stellt Euch doch bitte nicht dümmer, als Ihr seid. Sonst schafft ihr es auch zu reflektieren, nachzudenken und nicht nur wenn-dann Befehle zu befolgen. Einfach ein bisschen auf andere Menschen achten! Wer es nicht kann, kann sich zumindest bemühen, auf eigene Verhaltensweisen achten und im Zweifel vielleicht einfach mal nachfragen, wie manche Situationen und Verhaltensweisen gedeutet werden und ob es jetzt ok ist, xy zu tun. Bei einem Nein ist ein Nein eben zu akzeptieren, nein, dann lernt ihr die Frau heute nicht kennen. Fertig. (Mal ganz am Rande: Für wie attraktiv halten sich die Belästiger denn in einer belästigenden, vll bedrohlichen Situation???)
    Der Aufschrei ist ein Crie de Coeur, jaja, und zwar motiviert dadurch, daß eine Frau einem Mann / den Männern sagt, sie sollen doofe Sachen lassen und vielleicht mal zuhören. Ist das denn wirklich so fies, gemein, zu viel verlangt und überhaupt unverschämt oder wie sonst kann soll ich die große Aufregung deuten?

    Ich versuche nun noch ein paar Links zum Thema zusammenzustellen, damit ihr selbst sehen rekonstruieren und lesen und Meinung bilden könnt. Enjoy.

    Die Debatte, die selbst das Lehrstück zum Problem ist.

    Die Reihenfolge ist in etwa so:

    • Rebecca Watsons Video, in dem sie den Vorfall schildert
    • (02.07.11) P.Z Meyer greift den Vorfall auf seinem Blog auf und findet es dummes Männerverhalten.
    • Dawkins kommentiert dort, daß Vaginale Verstümmelung schlimmer sei. (Stimmt, aber wofür ist das bitteschön ein Argument?)
    • 07.07.11 Jörg Rings kommentierts.
    • 09.07.11 Die Mädchenmannschaft zitiert es im vermischten, 12.07.11 auch der Männerblog „allesevolution“ bringts, mit vielen, seltsamen Kommentaren. (mit Absicht nicht verlinkt ;-) )

    Das ganze las ich auf bei Jörg Rings. Sein Beitrag ist ziemlich nett. Dieser Beitrag von PZ Meyers übrigens auch.
    Aus einer unglaublichen Masse an in unglaublich kurzer Zeit von vorwiegend Männern (zumindest männliche Nicks) geschriebenen Kommentaren habe zwei Stück kopiert, die ich gut fand.

    TSK· 08.07.11 auf scienceblog.de:
    Rebecca macht darin einfach den Eindruck, dass sie (Geek, Nerd, Asperger etc.) sehr große Schwierigkeiten hat, mit Avancen allgemein umzugehen. Als sie die Geschichte erzählt, stockt sie, bricht den Augenkontakt, reibt die Hände etc. etc. Es ist also sinnlos, es von der Warte einer Frau zu betrachten, die damit wesentlich lockerer und selbstbewußter umgehen kann, sondern es ist halt Rebecca.
    Zunächst mal: Es ist eine Atheistenkonferenz, bei der es genauso von Geeks, Nerds und Aspergern wimmelt. Man hat die Nacht durchdiskutiert.
    Was ich vermute, ist: Der Fahrstuhltyp hat genau dieselben Probleme mit sozialen Kontakten, hat sich genau überlegt, was er sagen will und wartet sehnsüchig darauf, dass sie alleine ist, um sie ansprechen zu können. Rebecca geht also zum Fahrstuhl, ist müde und unaufmerksam, der Typ kommt herein und sagt, bevor er sich verhaspelt, seinen Spruch auf. Bautz.
    Natürlich ist ihr das dann sehr unangenehm. Sie will ins Bett, ist kaputt, kennt ihn nicht und ist vermutlich erst mal sprachlos. Dann kommt halt die Furcht (eine für *sie* nicht zu beherrschende Situation), Ärger (was habe ich eigentlich heute gesprochen und überhaupt, ich bin müde) und Unwohlsein (wie komme ich hier wieder raus).
    Endergebnis: Beide fühlen sich Scheiße. Reparieren läßt sich da nicht mehr viel, höchstens durch Körpersprache (Zurückziehen, wegdrehen) signalisieren, dass man die Abfuhr verstanden hat. Ich würde ja gerne über das Verhalten schimpfen, aber es soll ja Männer geben, die idiotische Dinge tun, wenn sie verknallt sind….ich gehöre leider auch dazu.

    Kompliment, TSK. Du bist nicht perfekt (Geek, Nerd, Asperger etc.), erwartest das aber auch nicht von den anderen und Du siehst es schlicht hinterher ein, was falsch gelaufen ist. Das ist doch ganz prima und schonmal ein Anfang. Ich fand Rebecca Watson im Video zwar ganz normal, aber das Ansatz, daß verschiedene Personen verschiedenen Toleranz und Wohlfühlschwellen haben und es einzusehen, ist doch was.

    Nach der Theorie bleibt allerdings komplett unverständlich, warum Dawkins so entgleiste. Warum in aller Welt fühlt sich ein weißer, älterer Herr mit weltweitem Renommé bemüßigt, eine junge atheistische Bloggerin wegen eines x-beliebigen Erebnisses am Rande einer veranstaltung aufs Korn zu nehmen??? Nach der Theorie erklärt sich auch nicht, warum die Überzahl der (männlichen) Kommentatoren praktisch Amok läuft und Gift und Galle spuckt. Oben habe ich schon geschlossen: Sie wollen Ihr Recht auf Belästigung erhalten.

    In die richtige Richtung gehts wieder hier:

    Kommentar-YeRainbow· 12.07.11 auf scienceblog.de:
    Eigentlich sollte es normal sein, daß man Ängste von Menschen soweit ernst nimmt, wie sie signalisiert werden.
    Als Hundeführer laß ich meine Hunde absitzen, wenn Passanten vorüber gehen. einfach weil ich weiß, daß viele von ihnen sich nicht frei von Angst fühlen. Es ist dabei vollkommen irrelevant, daß meine Hunde nicht beißen (tun sie es nicht? […])
    Ich werde den vorüberziehenden Leuten, Joggern, Radfahrern etc auch nicht lang und breit erklären, daß sie „keine Angst haben müssen“ etc pp. Die haben andere Ziele als sich von mir irgendwelche RECHTFERTIGUNGEN anzuhören.
    Ich nehme einfach wahr, daß es Ängste geben könnte, ich minimiere die Risikofaktoren, […]
    Mehr brauchts eigentlich nicht.
    Gilt auch für andere Bereiche, in denen Menschen sich fürchten könnten, einfach weil ihnen klar ist, daß es schon manchmal schiefging.
    Wer keine Angst fühlt, um so besser. Dann störts ihn ja nicht.

    Das ist ein derart gutes Beispiel! Genau! Bloß weil ich die Hunde harmlos finde, heißt das noch laaang nicht, daß es allen anderen so gehen muß. GANZ GENAU! Und wenn dreißig andere Frauen – und auch ich – vielleicht gar nichts an dieser Fahrstuhlsituation finden würden oder gar ob der Ironie lachen müssten, dann heißt das nicht, daß die eine oder andere Reaktion die Richtige ist, sondern nur, daß unterschiedliche Leute unterschiedlich reagieren und man eben Rücksicht nehmen soll.

    Also nochmal: Ein komischer Nerd oder auch total sympatischer Typ ist einer Frau, die gesagt hat, daß sie jetzt schlafen geht, in den Aufzug gefolgt und quatscht sie an. Seine Version der Story könnte sein: Er hat sich vorher nicht getraut sie anzusprechen, wartet deswegen bis sie allein geht und folgt ihr. Vielleicht ist er schüchtern, vielleicht bewundert er sie. Vielleicht ist er aber auch völlig doof, ein kleiner Norman Bates oder Drohmailschreiber.
    Ihre Version ist: Sie hat klar zu Ausdruck gebracht, daß für heute Schluss ist, daß sie Ruhe haben will. Dann kommt dieser Typ, will sie nicht nur zuquatschen, sondern will sie am liebsten abschleppen. Als Ort wählt er den engen(?) Aufzug, aus dem man nicht weg kann. Er macht soweit nichts schlimmes, außer unsensibel sein, ihre Signale ignorieren oder mißverstehen.
    Aber hallo: Schon das nervt! Schon auf der Nervebene finde ich es unangemessen, der Frau zu sagen, sie solle doch einfach dickfelliger werden. Sie hat den Typen ja nicht angezeigt, sie hat ihn nicht gehauen oder so, sondern schlicht in ihrem Blog hinterher aufgeklärt, daß sowas nervt. Wieso in aller Welt soll sie davon nicht erzählen, daß Typen, die einem unaufgefordert folgen, nerven? Das ist nicht wahnsinnig agressiv.
    Außerdem ist eine Bloggerin, die täglich Hatemails bekommt mit Todesdrohungen und – in der Überzahl, wie sie auf dem Kongresspanel erzählt – Vergewaltigungsdrohungen nun keineswegs überempfindlich, wenn sie irgendwo auch die Angst hat, daß einer bei einer öffentlichen Veranstaltung, auf der sie exponiert war, jemand kommen könnte, um die Drohung war zu machen.

    Lesen kann man übrigens auch bei Rebecca „Skepchick“ (was für ein blöder Nick aber auch!) selbst. Sie reflektiert inzwischen auch schon den Verlauf der Diskussion und schreibt, warum sie dabei immer feministischer wird. Sie fasst es gut zusammen:

    Every time I mention, however delicately, a possible issue of misogyny or objectification in our community, the response I get shows me that the problem is much worse than I thought.

    So isses.

    ZDF Championsleague Deal

    Wo bleibt eigentlich die Kritik von Links?

    Vom „Express“ bis „BILD“ – alle heulten auf, wenn sie vom Fußball-Deal des ZDF berichten. Sogar ein „Sportausschusses des Deutschen Bundestages“ meldet sich auf Nachfrage zu Wort, Sat.1 prüft als unterlegener Bieter rechtliche Schritte dagegen.

    Warum die Aufregung? Das ZDF hatte sich (am 05.04.2011) Rechte für die Übertrag der Fußballspiele des Männerfußballs der „Champions League“, auch mal „europäischen Fußball-Königsklasse„oder auch „Eliteklasse“ genannt, für geschätzte 50 Millionen Euro jährlich gesichert. (lt. Spiegel BILD, Express, Welt. FAZ abweichend: 06.04: 54 Mill). Kein Grund zur Freude für die, die sonst nicht genug vom Männerfußball haben können – sondern „Ein Skandal“ (FAZ, 06.04.2011, S. 33).
    Wenig später folgten weitere Fußball-Deals, am 21.05.2011 haben die öffentlich-rechtlichen Sender für geschätzte 180 Millionen Euro noch Senderechte an den Spielen der Frauen- und der Herrenfußballnationalmannschaft erworben, die Rechte an der Ausstrahlung der Spiele der 3. Liga und der Frauen-Bundesliga – bis zum Jahr 2016. (24.05, FAZ)

    Die geneigte Sportkritikerin findet das aus vielen Gründen doof: Fußball ist doch dieser schlimme Männersport, in dem Rollenklischees und Sexismus in Bezahlung, Vermarktung und im Stadion zementiert werden. Zielgruppe und Helden sind vor stets Männer. (Ich will die Marginalisierung von Frauen im Fußball hier nicht festschreiben, sondern gerade beklagen, ebenso wie die Vorherrschaft nur einer „deutschen“ Sportart!)
    Und warum überhaupt soviel Kohle für einen Sport im Fernsehen und für „Spitzensport“ ausgeben, anstatt mal öffentliche Anlagen zu fördern, in denen sich Hinz und Kunz gesundheitsfördernd oder einfach mal zum Spaß körperlich betätigen können? Ganz zu schweigen von fehlenden oder überteuerten, privatisierten Schwimmbädern allerortes, alles wahrlich bessere Projekte zur Bezuschußung als eine Championsleague.

    Aber alle diese Klagen sind im Blätterwald unterrepäsentiert. Eine von öffentlich-rechtlichen Sendern ausgegebene Summe von 180 Mill € steht insgesamt für Sportrechteshit im Raum. Thema des Geschimpfes sind natürlich nicht oben genannte Erwägungen oder die Frage danach Männerfußball wirklich so toll sei und soviel Geld wert ist – Beklagt wird zum Beispiel über die Benachteiligung der armen, armen, Privatsender:

    2013 ist das Jahr der Rundfunkgebührenreform. 2011 ist das Jahr der Sportsenderechte. Beide werden in die Rundfunkgeschichte eingehen als die Jahre, in denen ARD und ZDF durchmarschiert und davongezogen sind – der Konkurrenz der privaten Sender und den Gebührenzahlern. […]
    Für Privatsender ist so etwas nicht mehr zu bezahlen. Wenn Pro Sieben Sat.1 oder RTL mitbieten, wissen sie, dass sie pro Spiel mit einem Verlust von zwei bis drei Millionen Euro rechnen müssen – die sich durch die Werbung im Programm nicht refinanzieren lassen. Kommt – wie beim Verkauf der Champions League und des jetzigen Pakets – die Preistreiberei hinzu, ist das Rennen von vornherein so gut wie gelaufen.(FAZ)

    Auf den Punkt gebracht von der Financial Times:

    […] Zum Verdruss der Privaten: Denn das gebührenfinanzierte ZDF wildert immer öfter in deren Revier
    (das Revier der Privaten ist nach dem Artikel übrigens alle jüngere Zuschauerinnenschaft. Lustig.)

    Betrachtet man die konkreten Kritikerinnen unter diesem Aspekt, ist nicht verwunderlich, daß sich Leute wie RTL Medienpolitiker auf einmal als Verteidiger der Qualität und der Kunden generieren. Außer der direkten Konkurrenz schimpfen auch CDU Politker und FDP, die geistigen Väter (auch Mütter?) des Privatfernsehens also:

    Ganz anders sieht das natürlich die private Konkurrenz, und sogar RTL, früher selbst langjähriger Inhaber der Champions-League-Rechte, mischt sich ein. „Es ist faszinierend, wie das ZDF in Zeiten, in denen die Gesellschaft eine kritische Auseinandersetzung mit dem Umgang mit Gebühren fordert, das Geld mit vollen Händen rauswirft, um etwas anzubieten, was der Zuschauer längst hatte – und zwar ohne einen Cent unserer Gebühren“, sagte Tobias Schmid, Bereichsleiter Medienpolitik der Mediengruppe RTL. (Welt, spiegel artikel ist vergleichbar)

    und ausgerechnet BILD zitiert im Kampf für die Hochkultur des Fernsehns:

    Bisher lief die Champions League beim Privatsender Sat.1. „Wir, die Zuschauer und Gebührenzahler, erhalten also nichts Neues, keinen Mehrwert“, schreibt der TV-Produzent Günter Rohrbach in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“: „Wir zahlen 50 Millionen für etwas, das wir bereits hatten, ohne dieses Geld. Haben wir da ein gutes Geschäft gemacht?“ NEIN, findet FDP-Medienexperte Burkhardt Müller-Sönksen: „Das ZDF hat den Bogen überspannt. Wo ist hier der Maßstab, wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender mit Gebührengeldern international auf Shoppingtour geht? Die Rundfunkräte des ZDF müssen jetzt ihrer Verantwortung gerecht werden und diese Auswüchse stoppen.“ CDU-Medienexperte Marco Wanderwitz: „Mehr Geld für teure Sportrechte bedeutet, dass weniger Geld für Kultur und Film ausgegeben werden kann. Das halte ich bei einem öffentlich-rechtlichen Sender nicht für gut.


    Der FAZ (Gleicher Artikel wie oben)könnte man ernsthafte Besorgnis um die Qualität des Fernsehens schon eher abnehmen, aber nein, das ist nicht der Punkt:

    Und die Fußballrechte gehen an – ARD und ZDF. Erst Champions League, jetzt die 3. Liga und die Spiele der Nationalmannschaft. So wird der populäre Spitzensport im Fernsehen zum Monopol der Öffentlich-Rechtlichen. Ist das „Grundversorgung“?

    Lustig an diversen FAZ Kommentaren war insbesondere, daß sie letztlich nicht anzweifeln, daß Männerfußball auf jeden Fall Grundversorgung sei, sondern nur fanden, daß die doch auch von Privaten geleistet werden könne oder wenigsten nicht so teuer sein solle. Letztlich steht dann aber doch dahinter, daß auch andere Leistungen der Öffentlichen ohne weiteres ohne Belastungen für die Gebührenzahlerinnen und Zahler erbracht werden könnten – oder?

    Die Zeit interviewt den ZDF Sportchef (klar, alles Männer, die mit Fußball zu tun haben..), natürlich nur in Sorge um die Ausgewogenheit und nicht mit klassisch liberalen Privatisierungshintergedanken:

    ZEIT ONLINE: „Es geht also nur danach, was die Leute interessiert? Ausgewogenheit ist bei Ihnen kein Kriterium?
    Gruschwitz: Was die Leute interessiert, ist das oberste Kriterium – wir können ja kein Programm machen, was am Zuschauer vorbeigeht. “ […]
    ZEIT ONLINE: Sie werden ab 2012 die Bundesliga, die Nationalelf und die Champions League zeigen. Ist das nicht zu viel Fußball?
    Gruschwitz: Nein, weil der Fußball keinen anderen Sport verdrängt, wenn wir die Champions League übertragen. Die Champions League findet an Dienstag- und Mittwochabenden statt, an denen sonst kein Sport gesendet wird. Das weitere Sportprogramm wird nicht unter unserem Engagement für die Champions League leiden.
    ZEIT ONLINE: Aber die Sportberichterstattung wächst auf Kosten von Politik oder Kultur?

    Die ernstgemeinte Frage nach dem, was Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender sei und was alles die Grundversorgung der Bügerinnen und Bürger mit Information und Kultur enthalten soll, ist eine sehr berechtigete. Leider wird sie praktisch nie gestellt, ohne gleichzeitig das System der öffentlich-rechtlichen Sender an sich anzugreifen und dabei die Privaten als Ach-so-tolle-Alternative anzupreisen. Sie wird, anders gesagt immer nur hervorgezogen, wenn einer totale Liberalisierung und Marktorientierung auch des Fernsehns das Wort geredet wird.

    Selbstverständlich gibt es zahlreiche berechtigte Klagen über Programminhalte
    Gehört Männerfußball oder Männerboxen oder Formel1 echt zur Grundversorgung?!, Muß „Rote Rosen“ öffentlich rechtlich finanziert und ausgestrahlt werden? Warum gbt es im ZDF eigentlich so viele Filme mit und über Adelige, sowohl bei Romanverfilmungen als auch bei Dokus?*
    oder über über das Programmschema
    Kann man nicht mehr Infomation senden? Wieso wird Aspekte so spät gesendet? Warum wird der Informationsanteil nicht erhöht?. Wieso kommen Spielfilmedelsteine und Erstausstrahlungen im ZDF prinzipiell nach Null Uhr?.

    Die Leute, die sich in den genannten Artikeln für die Kultur und die Qualitätsberichterstattung stark machen, setzen sich im echten Leben nicht besonders dafür ein, hochwertige Dokumentationen statt „Reality“ wie „Frauentausch“ oder „Die strengsten Eltern der Welt“ auszustrahlen. Oder gar weniger Sexismus im Fernsehn zuzulassen, um zum Schluß mal einen ganz neuen Anspruch einzubringen.
    Alle beide Debatten, sowohl die um die armen Prvatsender als auch die Diskussion um die Grundversorgung durch öffentlich rechtliche sind zu diesem Zeitpunkt Scheindebatten. Beide kommen mir spanisch vor und sind wenig mehr außer Ausweise für – offenbar gelungene – medienpolitische PR Maßnahmen. Vor einigen Jahren war es nämlich offenbar überhaupt kein Problem, das Geld mit vollen Händen für dummen Sport mit dummen Kommentatoren und Zielgruppe Männer rauszuschmeissen. Eine Meldung von 2001, die mir zufällig bei der Rechereche in die Hände fiel

    Die öffentlich rechtlichen Sender ARD und ZDF einigten sich mit der Kirch-Gruppe für die Übertragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 und voraussichtlich auch 2006 auf eine Summe von rund 750 Millionen Mark.
    (FAZ)

    Mal ehrlich: 750 Millionen Mark – das ist doch mehr als 50 oder auch 150 Mill Euro? Warum jetzt die Aufregung?
    Obwohl die Debatte um Qualitätsfernsehen – bitteschön von den öffentlich rechtlichen, für die wir alle (spätestens ab 2013) zahlen, mich brennend interessieren würde, lässt mich dieses Getöse kalt.

    *Nachtrag: Meine Güte! Ich habe gerade die Homepage „ZDF Royal“ gefunden. Aua!