Archiv für Juni 2011

ZDF Championsleague Deal

Wo bleibt eigentlich die Kritik von Links?

Vom „Express“ bis „BILD“ – alle heulten auf, wenn sie vom Fußball-Deal des ZDF berichten. Sogar ein „Sportausschusses des Deutschen Bundestages“ meldet sich auf Nachfrage zu Wort, Sat.1 prüft als unterlegener Bieter rechtliche Schritte dagegen.

Warum die Aufregung? Das ZDF hatte sich (am 05.04.2011) Rechte für die Übertrag der Fußballspiele des Männerfußballs der „Champions League“, auch mal „europäischen Fußball-Königsklasse„oder auch „Eliteklasse“ genannt, für geschätzte 50 Millionen Euro jährlich gesichert. (lt. Spiegel BILD, Express, Welt. FAZ abweichend: 06.04: 54 Mill). Kein Grund zur Freude für die, die sonst nicht genug vom Männerfußball haben können – sondern „Ein Skandal“ (FAZ, 06.04.2011, S. 33).
Wenig später folgten weitere Fußball-Deals, am 21.05.2011 haben die öffentlich-rechtlichen Sender für geschätzte 180 Millionen Euro noch Senderechte an den Spielen der Frauen- und der Herrenfußballnationalmannschaft erworben, die Rechte an der Ausstrahlung der Spiele der 3. Liga und der Frauen-Bundesliga – bis zum Jahr 2016. (24.05, FAZ)

Die geneigte Sportkritikerin findet das aus vielen Gründen doof: Fußball ist doch dieser schlimme Männersport, in dem Rollenklischees und Sexismus in Bezahlung, Vermarktung und im Stadion zementiert werden. Zielgruppe und Helden sind vor stets Männer. (Ich will die Marginalisierung von Frauen im Fußball hier nicht festschreiben, sondern gerade beklagen, ebenso wie die Vorherrschaft nur einer „deutschen“ Sportart!)
Und warum überhaupt soviel Kohle für einen Sport im Fernsehen und für „Spitzensport“ ausgeben, anstatt mal öffentliche Anlagen zu fördern, in denen sich Hinz und Kunz gesundheitsfördernd oder einfach mal zum Spaß körperlich betätigen können? Ganz zu schweigen von fehlenden oder überteuerten, privatisierten Schwimmbädern allerortes, alles wahrlich bessere Projekte zur Bezuschußung als eine Championsleague.

Aber alle diese Klagen sind im Blätterwald unterrepäsentiert. Eine von öffentlich-rechtlichen Sendern ausgegebene Summe von 180 Mill € steht insgesamt für Sportrechteshit im Raum. Thema des Geschimpfes sind natürlich nicht oben genannte Erwägungen oder die Frage danach Männerfußball wirklich so toll sei und soviel Geld wert ist – Beklagt wird zum Beispiel über die Benachteiligung der armen, armen, Privatsender:

2013 ist das Jahr der Rundfunkgebührenreform. 2011 ist das Jahr der Sportsenderechte. Beide werden in die Rundfunkgeschichte eingehen als die Jahre, in denen ARD und ZDF durchmarschiert und davongezogen sind – der Konkurrenz der privaten Sender und den Gebührenzahlern. […]
Für Privatsender ist so etwas nicht mehr zu bezahlen. Wenn Pro Sieben Sat.1 oder RTL mitbieten, wissen sie, dass sie pro Spiel mit einem Verlust von zwei bis drei Millionen Euro rechnen müssen – die sich durch die Werbung im Programm nicht refinanzieren lassen. Kommt – wie beim Verkauf der Champions League und des jetzigen Pakets – die Preistreiberei hinzu, ist das Rennen von vornherein so gut wie gelaufen.(FAZ)

Auf den Punkt gebracht von der Financial Times:

[…] Zum Verdruss der Privaten: Denn das gebührenfinanzierte ZDF wildert immer öfter in deren Revier
(das Revier der Privaten ist nach dem Artikel übrigens alle jüngere Zuschauerinnenschaft. Lustig.)

Betrachtet man die konkreten Kritikerinnen unter diesem Aspekt, ist nicht verwunderlich, daß sich Leute wie RTL Medienpolitiker auf einmal als Verteidiger der Qualität und der Kunden generieren. Außer der direkten Konkurrenz schimpfen auch CDU Politker und FDP, die geistigen Väter (auch Mütter?) des Privatfernsehens also:

Ganz anders sieht das natürlich die private Konkurrenz, und sogar RTL, früher selbst langjähriger Inhaber der Champions-League-Rechte, mischt sich ein. „Es ist faszinierend, wie das ZDF in Zeiten, in denen die Gesellschaft eine kritische Auseinandersetzung mit dem Umgang mit Gebühren fordert, das Geld mit vollen Händen rauswirft, um etwas anzubieten, was der Zuschauer längst hatte – und zwar ohne einen Cent unserer Gebühren“, sagte Tobias Schmid, Bereichsleiter Medienpolitik der Mediengruppe RTL. (Welt, spiegel artikel ist vergleichbar)

und ausgerechnet BILD zitiert im Kampf für die Hochkultur des Fernsehns:

Bisher lief die Champions League beim Privatsender Sat.1. „Wir, die Zuschauer und Gebührenzahler, erhalten also nichts Neues, keinen Mehrwert“, schreibt der TV-Produzent Günter Rohrbach in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“: „Wir zahlen 50 Millionen für etwas, das wir bereits hatten, ohne dieses Geld. Haben wir da ein gutes Geschäft gemacht?“ NEIN, findet FDP-Medienexperte Burkhardt Müller-Sönksen: „Das ZDF hat den Bogen überspannt. Wo ist hier der Maßstab, wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender mit Gebührengeldern international auf Shoppingtour geht? Die Rundfunkräte des ZDF müssen jetzt ihrer Verantwortung gerecht werden und diese Auswüchse stoppen.“ CDU-Medienexperte Marco Wanderwitz: „Mehr Geld für teure Sportrechte bedeutet, dass weniger Geld für Kultur und Film ausgegeben werden kann. Das halte ich bei einem öffentlich-rechtlichen Sender nicht für gut.


Der FAZ (Gleicher Artikel wie oben)könnte man ernsthafte Besorgnis um die Qualität des Fernsehens schon eher abnehmen, aber nein, das ist nicht der Punkt:

Und die Fußballrechte gehen an – ARD und ZDF. Erst Champions League, jetzt die 3. Liga und die Spiele der Nationalmannschaft. So wird der populäre Spitzensport im Fernsehen zum Monopol der Öffentlich-Rechtlichen. Ist das „Grundversorgung“?

Lustig an diversen FAZ Kommentaren war insbesondere, daß sie letztlich nicht anzweifeln, daß Männerfußball auf jeden Fall Grundversorgung sei, sondern nur fanden, daß die doch auch von Privaten geleistet werden könne oder wenigsten nicht so teuer sein solle. Letztlich steht dann aber doch dahinter, daß auch andere Leistungen der Öffentlichen ohne weiteres ohne Belastungen für die Gebührenzahlerinnen und Zahler erbracht werden könnten – oder?

Die Zeit interviewt den ZDF Sportchef (klar, alles Männer, die mit Fußball zu tun haben..), natürlich nur in Sorge um die Ausgewogenheit und nicht mit klassisch liberalen Privatisierungshintergedanken:

ZEIT ONLINE: „Es geht also nur danach, was die Leute interessiert? Ausgewogenheit ist bei Ihnen kein Kriterium?
Gruschwitz: Was die Leute interessiert, ist das oberste Kriterium – wir können ja kein Programm machen, was am Zuschauer vorbeigeht. “ […]
ZEIT ONLINE: Sie werden ab 2012 die Bundesliga, die Nationalelf und die Champions League zeigen. Ist das nicht zu viel Fußball?
Gruschwitz: Nein, weil der Fußball keinen anderen Sport verdrängt, wenn wir die Champions League übertragen. Die Champions League findet an Dienstag- und Mittwochabenden statt, an denen sonst kein Sport gesendet wird. Das weitere Sportprogramm wird nicht unter unserem Engagement für die Champions League leiden.
ZEIT ONLINE: Aber die Sportberichterstattung wächst auf Kosten von Politik oder Kultur?

Die ernstgemeinte Frage nach dem, was Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender sei und was alles die Grundversorgung der Bügerinnen und Bürger mit Information und Kultur enthalten soll, ist eine sehr berechtigete. Leider wird sie praktisch nie gestellt, ohne gleichzeitig das System der öffentlich-rechtlichen Sender an sich anzugreifen und dabei die Privaten als Ach-so-tolle-Alternative anzupreisen. Sie wird, anders gesagt immer nur hervorgezogen, wenn einer totale Liberalisierung und Marktorientierung auch des Fernsehns das Wort geredet wird.

Selbstverständlich gibt es zahlreiche berechtigte Klagen über Programminhalte
Gehört Männerfußball oder Männerboxen oder Formel1 echt zur Grundversorgung?!, Muß „Rote Rosen“ öffentlich rechtlich finanziert und ausgestrahlt werden? Warum gbt es im ZDF eigentlich so viele Filme mit und über Adelige, sowohl bei Romanverfilmungen als auch bei Dokus?*
oder über über das Programmschema
Kann man nicht mehr Infomation senden? Wieso wird Aspekte so spät gesendet? Warum wird der Informationsanteil nicht erhöht?. Wieso kommen Spielfilmedelsteine und Erstausstrahlungen im ZDF prinzipiell nach Null Uhr?.

Die Leute, die sich in den genannten Artikeln für die Kultur und die Qualitätsberichterstattung stark machen, setzen sich im echten Leben nicht besonders dafür ein, hochwertige Dokumentationen statt „Reality“ wie „Frauentausch“ oder „Die strengsten Eltern der Welt“ auszustrahlen. Oder gar weniger Sexismus im Fernsehn zuzulassen, um zum Schluß mal einen ganz neuen Anspruch einzubringen.
Alle beide Debatten, sowohl die um die armen Prvatsender als auch die Diskussion um die Grundversorgung durch öffentlich rechtliche sind zu diesem Zeitpunkt Scheindebatten. Beide kommen mir spanisch vor und sind wenig mehr außer Ausweise für – offenbar gelungene – medienpolitische PR Maßnahmen. Vor einigen Jahren war es nämlich offenbar überhaupt kein Problem, das Geld mit vollen Händen für dummen Sport mit dummen Kommentatoren und Zielgruppe Männer rauszuschmeissen. Eine Meldung von 2001, die mir zufällig bei der Rechereche in die Hände fiel

Die öffentlich rechtlichen Sender ARD und ZDF einigten sich mit der Kirch-Gruppe für die Übertragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 und voraussichtlich auch 2006 auf eine Summe von rund 750 Millionen Mark.
(FAZ)

Mal ehrlich: 750 Millionen Mark – das ist doch mehr als 50 oder auch 150 Mill Euro? Warum jetzt die Aufregung?
Obwohl die Debatte um Qualitätsfernsehen – bitteschön von den öffentlich rechtlichen, für die wir alle (spätestens ab 2013) zahlen, mich brennend interessieren würde, lässt mich dieses Getöse kalt.

*Nachtrag: Meine Güte! Ich habe gerade die Homepage „ZDF Royal“ gefunden. Aua!

Dieter Bott Link gefunden

Nur ein kleiner Hinweis auf einen Text von Dieter Bott, den ich selbst schon gar nicht mehr digital hatte, sondern nur als lustige, chaotische Kopie wie Dieter Bott sie gerne auf Veranstaltungen verteilt. Toll, ich archiviere den mal für die Menschheit, da kann man ihn nochmal lesen.
http://theoriepraxislokal.org/rel/olymp-ja.php
Eine Miniglosse von Dieter Bott findet sich auch hier:
http://www.kritischelinke.de/unipress/UP343_scheiss_merchandise_dieter_bott.html

Dieter Bott, geistiger Vater des Ausdrucks „Sportifizierung“, mit dem ich hier bisweilen operiere war 1969 Mitbegründer des „Anti-Olympischen Komitees“ welches „Vögeln statt Turnen“ proklamierte und „Wettpennen“ veranstaltete. Bott möchte darauf aber nicht festgelegt werden. Als hauptberuflicher Sportkritiker, aber auch als Fanbetreuer und Hoschschuldozent, setzt er sich intensiv mit Sport (insbesondere Fußball) und Sportkritik auseinander. Er ist Autor von „Ball und Birne“ und hat so dies und das publiziert.

Fussball Merchandise Quatschprodukt

Und hier eines seiner Textfragmente:

„Im Lift nach oben fällt Oliver Kahns Frau Simone ein Ski-Stock aus der Kabine. „‚Um ein Haar wär ich da hinterhergesprungen‘ erzählt Kahn, der diesen Reflex, alles, was sich bewegt, fest zu halten, schon seit dem fünften Lebensjahr trainiert.“ (mobil 5/02) Mit seinem Vater, der erfolgreich beim Karlsruher SC spielte. „Dreimal wöchentlich Training reichten Kahn junior schon bald nicht mehr aus.“, erklärt Vater Kahn (Echo der Frau 23/02). Die systematische Zurichtung zum reflexartig agierenden Fachidioten, angetrieben von ehrgeizigen Eltern: Ist dies nicht das Wunschbild des begehrten Mitarbeiters für die Volkswirtschaft? Dieter Bott wird sich mit der „Durchkapitalisierung der Lebenswelt“ (Jürgen Habermas) beschäftgen, die ideologisch gefördert wird durch ihre Sportifizierung. Von den Kontaktanzeigen („Sportlicher Typ gesucht“) bis in die politisierten Feuilletons verwandelt die Gesellschaft ihre Mitglieder in das emotional zu begeisternde Publikum der Sport- und Fußball-Arena.“


Zum Thema Sportifizierung passt auch noch diese verlinkte Glosse von „Maxeiner & Miersch“ aus der Zeit ganz gut, die den Ausdruck auch ein wenig füllen…

Sehr coole Übersichtsseite: Gender – Chancengleichheit im Arbeitsleben

Diese coole Seite, die ich gerade wieder in meinen Favoriten „gefunden“ habe, möchte ich wirklich mal weiterempfehlen.
http://www.box2.boeckler-boxen.de/1124.htm

Ich mag ja Zahlen in der Diskussionum die Geschlechterungleichheit sehr gerne. Nicht weil ich irgendwie fixiert bin, sondern da ich meine, daß „harte Fakten“ einfach auch für die unwilligste Person nicht wegzuleugnen sind. Die bieten daher einen großen Überzeugungsbonus bieten wenn man jemandem klarmachen will, daß es in Deutschland (und Europa) mit der angeblich schon erreichten Emanzipation nicht besonders weit her ist.
Auf der Seite sind alle möglichen Zahlen zusammengestellt, die man sonst mühsam suchen müsste. Ob der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen( „Gender Pay Gap – Frauen kriegen 23 Prozent. weniger), Zahlen zu Unternehmenleitungen (Natürlich mehr Männer, wer hätte das gedacht), Zahlen zum Nutzen arbeitsmarktpolitischer Förderprogramme (Männer profitieren häufiger!).

Insofern: Danke, liebe Böcklers für dieses nette Handwerkszeug.
Das wars auch schon. Enjoy!

Wurstologie studieren – an der Wurstakademie

Für alle, die schon immer Wurst irgendwie lustig finden und fanden und irgendwie die Wurst in unserer Kultur für ein seltsames, überbewertetes, crazy Phänomen hielten, gibt es nun endlich eine zuverlässige Datenquelle und Wissensresource.
Angefangen hat die Wurstakademie auch klein – mit Infos zur Currywurst und den hier im Blog auch schon vorgestellten Wurstteppichen. Inzwischen gibt es auch wissenschaftliche Untersuchungen und Erklärungen rund um die Wurst. Etwa die Frage: Warum platzt die Wurst immer der Länge nach? Welche Gefahr birgt Wurst in der Schwangerschaft? oOder es wird der „krativste Fleischer Deutschlands“ vorgestellt.
wurstakademie.com
Wer sseine oder ihre Zeit so verschwendet, verdient Lob und Aufmerksamkeit. Also: Auf die Plätze, fertig, WURST!
Ab in die Wurstakademie!

Der Wurstteppich

Dieser Beitrag ist dem Unsinn gewidmet. Oder doch nicht? Der Wurstteppich ist nämlich andererseits einer der kulturellen Gipfel der modernen Kultur, der Zenit aller Raumdesigns und die Krönung eines jeden Zimmers.
Glaubt Ihr nicht?
Schau hier: http://wurstteppich.de/ Welch Pracht! Welch Verschwendung!
Und stellt sie Euch in Eurem Zimmer vor: Eine Blutwurst vorm Schreibtisch. Eine Mordadella in der Küche. Hm, klasse!
Ich hoffe, der Trend setzt sich durch und ich werde das bald in vielen Wohnungen besichtigen können.

salami teppichmordadella teppich
blutwurst teppichbierschinken teppich

Auf der Wurstteppich-Hp ist von preisen auf Anfrage die Rede. Aber bei das-rote-paket.de wirds konkret. Mit 1 Meter Durchmesser kostet das Teil 249 Euro. Das lohnt sich doch!!!

Die Welt in Mettwurst nachempfunden

Die Kunst! Die Kunst! Wie schön daß man sie umvermutet an den seltsamsten Orten findet!
Welch ein künstlerisches sensibles Herz muß hier schlagen! Eindeutige Hinweise für eine reine Seele sind die Vorlieben für zwei zarte, schöne Dinge: Nike-Schuhe und Mettwurst!
Bild: Mett-Nike
Bild: nochmal Mett-Nike
Die Quelle:

Da hat jemand es also als Hobby oder projekt, die Welt in Mettwurst nachzubauen. Ja, warum denn auch nicht. Ist doch ein ganz normales Hobby. Da gibt es noch viel Dooferes. Leider wird nicht darüber aufgeklärt, ob’s das Kunstwerk dann auch zum Abendessen gibt und wie es schmeckt. Aber vielleicht geht’s darum gar nicht und ich hab nur die falsche Herangehensweise weil ich mich nicht genug einfühle?

Als Video:

Lyrik automatisch

JedeR kennt ja das Problem: da hat man ein Gedicht vor sich und müsste nun dringend wissen, welches Versmaß und hat keine Zeit, die Silben zu zählen und die Hebungen, dann noch die Frage betont-unbetont, ist das nun ein Jambus, ein Trochäus?
Alltagsprobleme eben. Die jetzt schnell gelöst sind:

http://www.metricalizer.de/beta/Index.py?sid=&page=1
eine Maschine zur Metrikanalyse.

Viel besser ist natürlich, dass man sich auch das noch viel lästigere Dichten ersparen kann, denn der Prozess lässt sich auch umdrehen: Versfuß, Reimschema wählen und schwupp, gibts ein Gedicht.

http://www.metricalizer.de/beta/Index.py?sid=&page=2

in vollendeter Form und so hermetisch, dass Euch der Hut wegfliegt! Das ist doch suuuper!

Jetzt wird endlich auch beim Sport gepusht und gepolstert!

Tatsächlich, die allgemeine Poster- und Push-up Wut hat auch den Sport erreicht. Dachte ich früher, Sport machen diene dem Spaß, vielleicht auch der Ertüchtigung, dem supergestrafften (oder lieber geshapten) Körper und vielleicht gar der Gesundheit, weiß ich es endlich besser! Sport ist Vorspiel, sonst nix. Wie sonst erklärt sich das hier:

„Sport-Push-up-BH, H.I.S. Underwear. Jetzt bestellen! Vielseitige Basics für jede Gelegenheit. Einfach nach Lust und Laune kombinieren. Basic-Sport-Push-up-BH: Mit nahtlos vorgeformten Schalen und gemoldeten Cups. BH mit Bügel. Weiche Einlage. Träger und Rückenverschluss verstellbar.“
endlich push ups zum Sport

Unnötig zu sagen, daß ein solcher „BH“ nur für leichte Belastungen geeignet ist. Man sollte damit also nicht joggen gehen, nicht hüpfen oder so. Yoga kann man damit vielleicht machen. Solange man sich nicht nach vorne beugt – ähm, also doch nicht. Vielleicht stehende Dehnübungen? Fragt sich nur, warum man dann über haupt nen BH braucht, wenn man sich nicht bewegt und der eh nix hält.

Daneben gibt es noch die Produktvariante „gepolsterter Sport-Bh“. Der ist dann wohl für die zahlreichen Fälle, wo der Push-up nix taugt, ich also tatsächlich Sport machen will. Aber natürlich will ich meinstreammäßig „gut“ dabei aussehen will, also so, als hätt‘ ich riiiiesigen Busen, ist ja klar. Wie sonst könnte eine Frau aussehen wollen?

Igittt, stellt Euch das mal vor! Frau schwitzt den ganzen Tag und dann saugt sich das voll. Widerwärtig und damit absolut reif für diese wahnsinnige Rubrik…

Sixt vermietet auch an Frauen

Haha, Sixt, was bist Du so lustig! Superwitz, selten so gelacht. Worüber? Über den tollen nicht ganz neuen Slogan (naja, den hatte ich schon lange auf Halde, aber irgendwann muß mensch ja auch die Zeit haben, das einzustellen…) „Wir vermieten auch an Frauen“. Wie großartig von Sixt, auch an Frauen zu vermieten und die entsprechende Website ist mit total witzigen Bildern von Unfällen, die natürlich von Frauen, die Dummchen!, verursacht wurden, garniert.

sextistische Werbung: Sixt vermietet auch an Frauen zum Weltfrauentag 2010
sextistische Werbung: Sixt vermietet auch an Frauen

Wer würde da nicht mitlachen? Wer kann so humorlos sein? Nun, hoffenlich jede vernünftige Frau, die den ganzen miesen Sexismus satt hat und keine gute Miene zum bösen Spiel machen will. Bitte, bitte, mietet NICHT (mehr) bei Sixt!

Der Spruch ist in Frankreich Teil einer Dauerkampagne (jedenfalls ist die HP schon min. ein Jahr online), in Deutschland kam er, hihi, wie toll von Dir, Sixt, zum Frauentag 2010 heraus. Unter der Werbung steht, natürlich deutlich kleiner, daß Frauen weniger Unfälle verursachen und man gerne an Frauen vermietet. Aber, sorry, Sixt, das bringt Euch jetzt auch nix mehr, denn bei mir habt Ihr verschissen.
Zumal Sixt eine lange, durchgehend sexistische Werbegeschichte hat. Man könnte es vielleicht Altherrenhumor nennen, was da immer wieder und wieder inszeniert wird. Ich gestehe daß es mitunter ganz gelungene, lustige Anzeigen in der großen Masse der Anzeigen gibt. Das Grundmuster der meisten ist aber vor allem sexistisch.

Zum einen gibt es immer wieder die Plakate mit den anzüglichen sexistischen Bemerkungen drauf. Die zeigen ein Auto, immer mit Sprüchen wie:

  • [Bild eines Nobelautos und Spruch] Das einzige, was hier klappert, sind die Zähne Ihrer Frau
  • Erst pfeift der Wind, dann die Mädels
  • Damit kommt jeder Mann zu früh
  • [Bild einer „sexy“ Frau und Spruch]Nur primitive Männer fahren tolle Autos, um damit eine Frau rumzukriegen. Ich liebe primitive Männer
  • Es gibt unzählige davon.

    Motiv: Kommt zu frueh Motiv-Zaehneklappern
    Das Bild suggeriert den Schwanzvergleich Primitiver Spruch mit Kreditkarte

    Daneben gibt es noch die Kampagnen mit Stars oder Politiker_innen. Hier fällt auf, daß manche Männer zwar schlecht wegkommen, aber dennoch – wie immer in dieser Kultur – den entscheidenden Ticken besser als Frauen! Beispiel:

  • Schröder kann sich nicht entscheiden, wohin
  • Merkel hat ne schlechte Frisur
  • Findet Ihr den Unterschied?
    Während Schröder inhaltlich, in Bezug auf das was er leistet, kritisiert wird, hat man für eine Frau an der Macht nur platte Sprüche über die Frisur übrig, die Leistung muß erst gar nicht angesehen werden.
    Ja, der Mann ist Geist und Inhalt, die Frau ist halt nur Körper, Klamotten, Frisur. Das, was die Frau leisten muß ist nicht gute Politik, sie soll gefälligst erstmal Weiblichkeitperformen. Der Mann kommt nach dieser Werbung immer noch als mächtige Person rüber. Die Frau ist nur noch Albern, eigentlich schon kein Mensch mehr.
    Genau das ist sexistische Werbung.

    Ich bin immer sehr für Anschauung, deswegen:
    Sixt: Merkel

    Sixt Schroeder

    Nachtrag: Sixt ist natürlich noch doofer. Über Genderbolg kam ich auf die HP von Jung von Matt, der Werbeagentur, die alles für jeden bewirbt. Unter anderem „Du bist Deutschland“. Und eben auch für Sixt. Einer von den Großen Bösen eben.
    Und das hier ist die aktuelle Anzeige, also für den Frauentag 2011:

    sixt 2011

    Wer lacht?!