Lothar Matthäus lobt Athletik der Frauen

Welche eine Meldung mal wieder. Na danke auch.

Sie geht aber nicht nur darum, daß ein komischer Fußball-Hirnie, der Leuten, die nicht auf Fußball stehen vor allem in der Werbung und auf den Panorama-Seiten der Zeitungen mit immer neuen Affärchen auffällt mal rundum beurteilen darf, wie er den Frauenfußball so findet. Darüber hinaus darf er noch – tätätätä – sagen, wie er die Körper der Spielerinnen privat so findet, nämlich nicht nur athletisch, sondern manche sogar (!) – hübsch!

„Heute sind die Spielerinnen hochbegabt und athletisch, spielen einen technisch und taktisch sauberen Fußball. Einige finde ich auch sehr hübsch.“

Aha, da habens wirs ja. Wer hätte das gedacht, Fußballerinnen und hübsch! Wenn das mal nicht ihre eigentliche Leistung ist. Ist ja egal, ob sie spielen können. Fußballerinnen werden also nicht nach ihrer Leistung beurteilt, danach was sie können und wie sie das einsetzen, nein, wenn ne Frau hübsch ist, das ist doch was!

Was ärgert an dieser Meldung ist nicht, daß sich ein Jede und ein Jeder gerne so ihre und seine Gedanken beim Fußball gucken (alternativ: Tennis gucken, Leichtathletik gucken etc) macht, wie toll sportlich Berufssportlerinnen und Sportler so sind, wie toll die ihren Sport beherrschen, wer die Beste in der Mannschaft ist usw, usf.
Das doofe daran ist, daß diese unausgegorenen Gedanken, die normale Menschen nicht mal zu Hause äußern würden in der gestrigen Meldung (der FR, bei gmx, Focus…) auch noch gedruckt werden! Einem komischen Mann wird das Recht zugestanden über alle (Fußball-)Sportlerinnen öffentlich zu urteilen; Das Können disqualifiziert er sowieso sofort, also gehts an das, was „die Weiblichkeit“ ausmacht, also Schönheit nach dem Geschmack des Herrn Lothar Matthäus. Ok, blöde Medien in einer blöden Gesellschaft mit blöden Protagonisten.

Aber es geht noch weiter, und hier wirds nun wirklich unverschämt:

„Noch vor 20 Jahren sei das ganz anders gewesen. „Damals sind die Frauen über den Ball gefallen und gestolpert. Das hatte mit Fußball wenig zu tun. Diese Zeiten sind aber vorbei, erzählte Matthäus.“

Quelle (kein Link): http://www.focus.de/sport/fussball/frauen-fussball-wm-2011/frauen-weltmeisterschaft-matthaeus-steht-auf-deutsche-fussballerinnen_aid_632162.html

Zum einen glaube ich nicht, daß Frauen, selbst wenn sie noch nie Fußball gespielt haben sollten, per se über die Bälle fallen. Das ist also schon mal sowieso Panne und das hat auch Herr Lothar nie gesehen, außer vielleicht im Kindergarten, wo aber eh nicht so klar ist, wer nun Männlein und wer Weiblein war. Falls Frauen denn doch irgendwie früher anderes gespielt haben sollten, könnte das vielleicht an der Diskriminierung durch den DFB gelegen haben?? Daran, daß es andere Regeln gab?

„Fußball spielende Frauen wurden bis 1970 auf Anweisung des Deutschen Fußballbundes (DFB) aus den Verbänden ausgegrenzt. Ihnen dürfte kein Zugang zu den Sportplätzen gewährt werden. Doch auch seitdem der DFB zähneknirschend das Verbot aufhob, müssen Fußball spielende Frauen für ihre Anerkennung kämpfen. Zunächst wurde Frauen-Fußball durch spezielle Regeln (u.a. erlaubtes Handspiel, um den angeblich gefährdeten Busen zu schützen) vom Männerbund DFB bevormundet. Der Schutz des Fußballs vor den Frauen wird seit Ende des 19. Jahrhunderts nach denselben Mustern begründet: Fußball schadet der Weiblichkeit. „

Quelle: vorrundenaus.de

I hate it!

Habe noch eine tolle Ergänzung zur Konstruktion des weiblichen Körpers im Sport gefunden. (05.06.2011) Als Kommentar eingestellt.


2 Antworten auf „Lothar Matthäus lobt Athletik der Frauen“


  1. 1 Administrator 06. Juni 2011 um 17:10 Uhr

    Eine Ergänzung zu: Lothar Matthäus lobt Athletik der Frauen
    Kaum hab ich meiner Wut Luft gemacht, finde ich diesen, sehr passenden und eher wissenschaftlichen Artikel zum Thema Weiblichkeit und Sport. Genau gesagt: Es geht nicht um Sport, sondern welche Typen und Attribute weiblicher Sportlerinnen besonders gut ankommen und am besten vermarktbar sind:

    Offenbar fungiert gerade der Fußball als »Arena der Männlichkeit«.
    Diketmüller nennt sechs Gründe, erstens die geschlechtsspezifische Bewegungssozialisation, wofür die – meist unbewusste – Erwartungshaltung der Eltern an das Bewegungsverhalten ihrer Kinder sowie der größere Aktionsradius von Jungen in ihrem Freizeitverhalten verantwortlich sind; zweitens ist von einem »Männerbund« Fußball auszugehen, in dem Sportler, Fans und Funktionäre sich gezielt gegen »Weiblichkeit« absetzen; drittens ist der Mädchen- und Frauenfußball weitgehend ein Randthema im Schulsport; viertens halten sich hartnäckig Vorurteile (etwa: Fußball für Frauen sei gesundheitsschädlich und der ›Natur der Frau‹ nicht entsprechend) und mangelhafte Bedingungen (so gibt es kaum weibliche Trainer, Schiedsrichter und Funktionäre); fünftens fehlen dem Frauenfußball (in Deutschland) Vorbilder; sechstens existiert eine Abwärtsspirale aufgrund des Zusammenspiels von mangelnder Anerkennung, fehlender medialer Präsenz und ausbleibenden Sponsoren.

    Letzteres ist, um es vorwegzunehmen, das, woraus es wirklich ankommt im (Profi?)Sport. Und gleich noch mehr auszuplaudern: Natürlich ist es der Sex, die Weiblichkeit, die den Markt öffen soll bzw. im männlich dominierten System des Sports, der Sportberichterstattung und des Sponsorings der einzige Türöffner zu sein scheint:

    Zahlreiche Studien belegen, dass Sportlerinnen seit Mitte der 1980er Jahre oftmals durch Bezüge zu ihrem ›attraktiven‹ Äußeren dargestellt werden: Häufig wird gezielt die weibliche Attraktivität und Erotik inszeniert. Die Fotos fokussieren den Blick der Bertrachter/innen auf sexuell konnotierte Körperpartien, wie z.B. Gesäß, Beine, Busen und gewähren Einblicke auf intime Körperzonen.
    […]
    Um die drohende mediale Verdammung abzuwenden, sehen sich insbesondere die Vertreterinnen des ›Männersports‹ – mehr als ihre Kolleginnen aus den ästhetisch-kompositorischen Sportarten – dazu gezwungen, ihre Weiblichkeit zu betonen. In Kleidung, Make-up, Nagellack, eine aufwändige Frisur, Schmuck und die Hervorhebung der sekundären Geschlechtsmerkmale (vgl. Kleindienst- Cachay/Heckemeyer 2008, 54) materialisiert sich gewissermaßen ihre kulturelle Bringschuld. Das lässt sich inzwischen auch im deutschen Profifußball der Frauen beobachten.

    Doing sport ist eben immer doing gender.

    Sehr lesenswert, also los: http://linksnet.de/de/artikel/26535

  1. 1 Mädchenmannschaft » Blog Archive » Fußballerinnen, Trendfrisuren und das Eva-Prinzip – die Blogschau Pingback am 04. Juni 2011 um 11:02 Uhr
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