Archiv für Mai 2011

Lothar Matthäus lobt Athletik der Frauen

Welche eine Meldung mal wieder. Na danke auch.

Sie geht aber nicht nur darum, daß ein komischer Fußball-Hirnie, der Leuten, die nicht auf Fußball stehen vor allem in der Werbung und auf den Panorama-Seiten der Zeitungen mit immer neuen Affärchen auffällt mal rundum beurteilen darf, wie er den Frauenfußball so findet. Darüber hinaus darf er noch – tätätätä – sagen, wie er die Körper der Spielerinnen privat so findet, nämlich nicht nur athletisch, sondern manche sogar (!) – hübsch!

„Heute sind die Spielerinnen hochbegabt und athletisch, spielen einen technisch und taktisch sauberen Fußball. Einige finde ich auch sehr hübsch.“

Aha, da habens wirs ja. Wer hätte das gedacht, Fußballerinnen und hübsch! Wenn das mal nicht ihre eigentliche Leistung ist. Ist ja egal, ob sie spielen können. Fußballerinnen werden also nicht nach ihrer Leistung beurteilt, danach was sie können und wie sie das einsetzen, nein, wenn ne Frau hübsch ist, das ist doch was!

Was ärgert an dieser Meldung ist nicht, daß sich ein Jede und ein Jeder gerne so ihre und seine Gedanken beim Fußball gucken (alternativ: Tennis gucken, Leichtathletik gucken etc) macht, wie toll sportlich Berufssportlerinnen und Sportler so sind, wie toll die ihren Sport beherrschen, wer die Beste in der Mannschaft ist usw, usf.
Das doofe daran ist, daß diese unausgegorenen Gedanken, die normale Menschen nicht mal zu Hause äußern würden in der gestrigen Meldung (der FR, bei gmx, Focus…) auch noch gedruckt werden! Einem komischen Mann wird das Recht zugestanden über alle (Fußball-)Sportlerinnen öffentlich zu urteilen; Das Können disqualifiziert er sowieso sofort, also gehts an das, was „die Weiblichkeit“ ausmacht, also Schönheit nach dem Geschmack des Herrn Lothar Matthäus. Ok, blöde Medien in einer blöden Gesellschaft mit blöden Protagonisten.

Aber es geht noch weiter, und hier wirds nun wirklich unverschämt:

„Noch vor 20 Jahren sei das ganz anders gewesen. „Damals sind die Frauen über den Ball gefallen und gestolpert. Das hatte mit Fußball wenig zu tun. Diese Zeiten sind aber vorbei, erzählte Matthäus.“

Quelle (kein Link): http://www.focus.de/sport/fussball/frauen-fussball-wm-2011/frauen-weltmeisterschaft-matthaeus-steht-auf-deutsche-fussballerinnen_aid_632162.html

Zum einen glaube ich nicht, daß Frauen, selbst wenn sie noch nie Fußball gespielt haben sollten, per se über die Bälle fallen. Das ist also schon mal sowieso Panne und das hat auch Herr Lothar nie gesehen, außer vielleicht im Kindergarten, wo aber eh nicht so klar ist, wer nun Männlein und wer Weiblein war. Falls Frauen denn doch irgendwie früher anderes gespielt haben sollten, könnte das vielleicht an der Diskriminierung durch den DFB gelegen haben?? Daran, daß es andere Regeln gab?

„Fußball spielende Frauen wurden bis 1970 auf Anweisung des Deutschen Fußballbundes (DFB) aus den Verbänden ausgegrenzt. Ihnen dürfte kein Zugang zu den Sportplätzen gewährt werden. Doch auch seitdem der DFB zähneknirschend das Verbot aufhob, müssen Fußball spielende Frauen für ihre Anerkennung kämpfen. Zunächst wurde Frauen-Fußball durch spezielle Regeln (u.a. erlaubtes Handspiel, um den angeblich gefährdeten Busen zu schützen) vom Männerbund DFB bevormundet. Der Schutz des Fußballs vor den Frauen wird seit Ende des 19. Jahrhunderts nach denselben Mustern begründet: Fußball schadet der Weiblichkeit. „

Quelle: vorrundenaus.de

I hate it!

Habe noch eine tolle Ergänzung zur Konstruktion des weiblichen Körpers im Sport gefunden. (05.06.2011) Als Kommentar eingestellt.

Zoll kontrolliert jetzt Push-up BHs

In einem netterweise auch sexismussensiblen Blog, der eigentlich viel zu Überwachung und so schreibt fand ich diese Kuriosität, die ich denn auch gleich weitergeben will:
Fefes Blog: 500g Kokain in Push-Up-BH Er verweist auf die Meldung im Spiegel

„Ihre Oberweite kam den Zöllnern spanisch vor: Im Zug von Amsterdam in die Schweiz sprachen Beamte eine 52-Jährige auf ihren auffälligen Push-up-BH an. Prompt verstrickte sich die Frau in Widersprüche – und im Polster der Unterwäsche fanden sich 500 Gramm Kokain.“

Die Badische Zeitung schreibt etwas sachlicher:

„Die üppigen Formen fielen Beamten des Hauptzollamtes bei einer Kontrolle im ICE auf, der von Amsterdam in die Schweiz fuhr.“

Fefe kommentiert das sehr angemessen, wie ich finde, denn er fragt nach den Nebeninformationen der Meldung. Und die wären:

    1. (Männliche) Zöllner glotzen der Frau auf den Busen und werten, welche Brust sie wie normal finden, was für Spiegel & Co offenbar ok ist.
    2. Aufgrund der Glotzergebnisse dürfen sie die Frau festhalten und befragen nach Dingen, die niemanden was angehen wie den Zweck der Reise.
    3. „dann gibt es eine Durchsuchung bis unter die Unterwäsche“.

und ich ergänze 4. die wird dann auch noch zerschnitten…

Fefe schlussfolgert, daß unser Staat schon ganz schön weit gekommen ist, was das Ende der Privatheit, die Überwachung und Normierung angeht. Hinzufügen möchte ich die Ergänzung zu Nr eins von Fefes Nebengeschichten, nämlich den allgegenwärtigen Sexismus, der natürlich bedeutet, daß Frauen auch überwachungstechnisch ein mehr an Diskriminierung erfahren. Wenn nämlich inzwischen jede Frau mit Push-up tendenziell bedenklich und verdächtig ist, dann hat die Mehrheit der jungen Frauen ein Problem.

(Exkurs: Ich tippe darauf, daß die meisten Frauen unter 20 (vielleicht ogar unter 30) gar keine Non-Push-ups besitzt. Habt Ihr mal in letzter Zeit versucht eine BH zu finden, der nicht pusht und polstert, was das Zeug hält? Gibts in den Läden fast gar nicht mehr! Allso Komplettuntersuchungen bis auf die nackte Haut für alle?!)

Aber weiter zu Geschlecht und Überwachung. Schon lange gibt es Studien und Ergebnisse, die mehr oder weniger eindeutig zeiegn, daß Überwachung Frauen mehr trifft, da die männlichen Beobachter ihrem Voyeurismus freien Lauf lassen.
Was für den Zöllner oben gilt, gilt auch für Überwachungskameras:

„Frauen fühlen sich jedoch explizit von dem belästigt und damit auch unwohl und unsicher, was Männer als Spaß ansehen bzw. was Männer denken, was Frauen gefällt – nämlich das Anstarren, Hinterherrufen etc. . Das Hauptproblem ist […] daß Videoüberwachung keineswegs das Anstarren oder andere Belästigungen durch Männer reduziert und viel mehr die ständige Beobachtung noch durch die Männer hinter den Kameras ergänzt wird. Das sonst so oft herangezogene subjektive Sicherheitsgefühl bzw. der bereits erwähnte ‘feel-good’ Faktor wird also für Frauen gar nicht verbessert. Daß dies tatsächlich so ist, belegt auch eine Studie der University of Hull, bei der 888 „targeted surveillances“ ausgewertet wurden: bei jeder zehnten Frau, die länger beobachtet wurde, geschah dies nur zum Zwecke des Voyeurismus .“

Quelle: Wehrheim, Jan (2000): Ein fast ignoriertes Überwachungsdrama – Zur technischen, politischen
und gesellschaftlichen Realität von Closed Circuit Televison. In: Forum Wissenschaft, Heft 2, 2000, S.34-40
(Seine Quelle(n): Brown, Sheila (1999): What´s the problem, girls? CCTV and the gendering of public safety. In: Norris, Clive / Moran, Jade / Armstrong, Gary a.a.O., S.207-220, Brown (1999), a.a.O. S. 218 | Armstrong, Gary /Norris, Clive (1999, S.98ff): The maximum surveillance society, Oxford/New York.)

Ich schlussfolgere tatsächlich, daß demnach Obrigkeitsstaat und Überwachung Frauen noch mehr tangieren als Männer.
Dies ist ein Work in Progress – wenn Ihr Gegenargumente findet -her damit!

Sex in the Air

Huch, was fällt mir denn da auf? Der neue Hit von Rihanna, der so lieb und poppig dahergewummert kommt, ist textlich ja doch ein bisschen… Teil des Refrains ist „Sticks and stones may break my bones, but Chains and Whips excite me“. Im Rolling Stone hat sie, wie ich der Titanic entnehme, gesagt, daß sie gerne geschlagen und gefesselt wird. Das ist an sich kein Problem, der von ex-Freunden zusammengeschlagenen Rhianna sei es gegönnt wenn sie es aufregend findet, geschlagen und gefesselt zu werden. Aber wem erzählt sie das denn?
Ihrer Fangemeinde aus vierzehnjähigen, die dann ein Video sehen, in dem Gummi und Knebel die Hauptrolle spielen und Petplay als cool thematisiert wird.

http://www.mtv.de/videos/22923271-rihanna-s-m.html:

Rihanna

Im Idealfall merkt das geneigt Kind das einfach nicht, nimmt das Video als lustige, bunte bonbonfarbene Welt wahr und gut isses.
Falls aber nicht, finde ich es irgendwie falsch, wenn alle Kinnis gesagt bekommen, daß es sexuell irgendwie toll sein soll Petplay zu machen. Nicht, daß ich Leute, die drauf stehen, diskriminieren will. Ich will nur generell, auch beim weißen Mainstream nicht unbedingt andauernd mit ihren Sexpraktiken oder auch nur Sehvorlieben zwangskonfrontiert werden.

Ok, es ist nicht alles schlecht: Rihanna ist der „Top“ ihrer Videobeziehung, und nicht „Bottom“. Sie singt, „i like it, like it, C‘ommon.“, ist also ein Subjekt, das eigene Wünsche artikuliert und nicht nur singt, wie geil es ist Männern Wünsche zu erfüllen. (So à la Britney, I‘m aSlave for u). Trotzdem: Wenn weibliche Freiheit nur gezeigt wird, wenns darum geht Sexpraktiken auszuführen, auf die man nach einer langen Erfahrung gerne kommen darf, aber mit vierzehn eher noch nicht kommen dürfte (oder nicht in die Situation kommen sollte, dazu überredet zu werden, weils doch sooo normal ist! Man macht das eben mal. probiers doch auch.), dann meckere ich eben.
Und so emanzipiert ist Rihanna dann eben auch nicht beim Ausleben von „S & M“. Schließlich ist sie es, die gefesselt wird, und schließlich ist sie es, die am Schluss von einer Horde Männer (?) gefesselt daliegt und Bildchen aufs Geschicht geklebt bekommt, wie man das sonst nur von geschmacklosen Seiten wie „Betrunkene dekorieren“ kennt.

rihanna sm
rihanna sm rihanna sm

betrunkene dekorieren

(Exkurs zu Betrunkene dekorieren: Oft muß ich ja lachen. Aber überlegt mal: Da sind Leute so knülle, daß sie nix mehr mitkriegen. und statt sicherheitshalber die Ärtztin zu rufen, kriegen sie Penisse auf die Stirn gemalt, oder die Hände irgendwo reingesteckt. Eigentlich darf man aber nur lachen, wenn man weiß, daß die Geschichte gut ausging und sich niemand total diffamiert gefühlt hat, der Veröffentlichung zugestimmt wurde etc. Ein schöner Umgang wird da nicht miteinander praktiziert, und ich wüsche allen, daß sie niemanden kennen, der da was einstellt.)

Wo bleibt eigentlich das Musikvideo, in dem vierzehnjährigen Mädchen beigebracht wird, daß es ok ist, selbstbestimmten Sex zu haben, daß ihre eigenen Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen und sie nicht bei jedem Müll, der als Sexpraktik mit Sicherheit von irgendeinem Sexpartner irgendwann mal vorgeschlagen, wird auch mitmachen müssen, weil doch sogar Rihanna…?

Hier noch die Britney zum Vergleich. Ok, deutlich schlimmer.
http://www.mtv.de/videos/260082-britney-spears-i-m-a-slave-4-u.html

Britney Spears