SPD wirft Hohmann NICHT raus. Aber warum?

Ist es nicht interessant, daß die SPD Sarrazin nicht rauswerfen kann oder will, die CDU echte Entgleisungen aber durchaus ahndet, und zwar ohne viel Gerede und Zack-Zack. Mein Parallelbeispiel zu Sarrazin wäre nämlich Martin Hohmann, der rechte Fuldaer Bundestagsabgeordnete, der im Juli 2004 trotz großen Rückhalts seines Wahlkreises aus der CDU und deren Bundestagssfraktion entfernt wurde, nachdem er antisemitisch aufgefallen war.
Erinnern wir uns: Hohmann am 3.10.2003 in seiner Rede „Gerechtigkeit für Deutschland“: „Juden waren in großer Anzahl sowohl in der Führungsebene als auch bei den als auch bei den Tscheka-Erschießungskommandos aktiv. Daher könnte man Juden mit einiger Berechtigung als Tätervolk bezeichnen.“

Woran liegt nun ein solch unterschiedliches Verfahren in den Parteien? An dem Bekenntnis der CDU zu Israel? Aber sollte sich die SPD nicht mindestens so sehr zu muslimischen Deutschen und den von Sarrazin in so ekligerweise verunglimpften Unterschichtsdeutschen bekennen?

Mindestens zum Sozialstaat sollte doch eine SPD in der Lage sein sich zu bekennen – denn nichts anderes als Sozialstaatlichkeit – und keine großzügige – sind Transpherleistungen wie Hartz IV. Er behauptet, Sozialleistungen würden dafür sorgen daß weniger Qualifizierte fruchbarer wären, und lügt damit herum (Es gibt nämlich gar keine Daten dazu!) und behauptet weiter, nur gebildete könnten auch gebildete Kinder hervorbringen. Was für eine Scheisse! Wohlstandsrassismus ist das dann wohl.

Vielleicht ist das der Grund, warum er in der SPD bleiben darf? Denn schließlich ist es in der Partei im Trend, daß nicht mehr jedes Kind „Gleich viel Wert“ ist, und Gutverdienende reichlich staatliche Transferleistungen, genannt „Elterngeld“ erhalten, Arme denn eben auch mal nix für die Sicherung der Renten oder schlicht Ihre Würde. Nicht vergessen: Ursula hat’s zwar durchgesetzt, die Idee kam aber von Frauenministerin Schmitt aus der SPD.

Sarrazin verunglimpft Arbeitslose nicht erst seit seinem Bestseller: Wir erinnern uns: Sarrazin fiel schon 2008 als Berliner Finanzsenator auf mit seinem Drei-Tage-Speiseplan für Hartz-IV-Empfänger, der behauptete Arbeitslose könnten sich doch schon für 3,76 € statt des Hartz-Regelsatzes von 4,25 € „völlig gesund, wertstoffreich und vollständig ernähren“, wie S. in der „Welt“ rausposaunen durfte, dabei aber auch souverän verschwieg, daß Kinder sowieso nur für 2,28 € etwas zum Essen bekommen dürfen. Und auch damals durfte er ohne weiteres SPD Mitglied bleiben und im Amt noch dazu. Der Wahnsinn hat Methode und ist in sich stimmig.

Hohmanns Homepage 2003