Archiv für April 2011

Simone und Alexandra – Sportifizierung

Simone und Alexandra erklären uns die Sozialwahl.

Als Person, die Fußball wegen seiner Ominipräsenz hasst (immer kriegt man das Zeug aufgedrängt und wenn man dann immer noch nicht mittun, also mitjubeln, mithuben, mitfahnenschwenken, mitsaufen mag, wird man dumm angemacht) bin ich natürlich entzückt darüber, daß die Barmer es schafft, die Themen Sozialwahl und Fußball zusammenzubekommen. Simone und Alexandra sind also vermutlich sowas wie Nationalelfspielerinnnen, nehme ich an. und als solche natürlich Sympathieträgerinnen fürs ganze Volk, logo.
Und weil das Volk halt nicht viel Grips hat, oder die Barmer ihm das jedenfalls nicht zutraut, muß die Brochüre entsprechend einfach gestaltet sein.

Mein Tipp: Bitte mit verteilten Rollen vorlesen. Ich bin nun überzeugt und mach‘ auch mit. Dann kann die Sozialwahl auch so ne Art Sommermärchen werden.
Autsch.

Die Barmer Brochüre als pdf

Zusätzlich zur Primitivität sticht die Sportifizierung ins Auge. (siehe Beitrag zu Sportifizierung & Römer auf diesem Blog.)

simone und alexandra sozialwahl

Sportifizierung im frankfurter Römer

Sportifizierung – was ist das? Nun, nach Dieter Bott, einem 68er Urgestein, Fußballfan und Sportifizierungskritiker bedeutet es gaaanz knapp gesagt, daß die gesellschaft mit Idealen des Sports überflutet wird und versucht wird, diverse Lebensbereiche dem Sport nachzuformen. Beispiele:

  • Jubeln. Anstatt die Gesellschaft kritisch zu hinterfragen ist Jubeln von den Rängen ohne mitzutun ein Ideal
  • Leistung. Nicht das Mitmachen zählt, nur das Gewinnen bei vorgegebenen Regeln.
  • Spaß. Spaß ist kein Ziel des Sports! Es geht um Leistung oder allenfalls noch darum, den Mainstreambody zu formen.
  • Sportifizierung kann aber auch bedeuten, daß der doofe Sport allgegenwärtig ist. Ich hab Nichts gegen Sport, wirklich, ich sporte selbst regelmäßig. Aber wenn nun Dinge, die gar Nichts mit einer anderen Sache zu tun haben ständig mit dieser in Verbindung gebracht werden, ist das schon seltsam.

    Beispiel:
    Bei den Kommunalwahlen in FFM im März 2011 wird fürs wählen mit Fußball geworben und der Slogan wirbt mit dem „Team Römer“. HÄ?! Konkurrierende Parteien, die um Inhalte streiten und ringen sind EIN Team? Ich wüßte da so manche, mit denen ich nictht im Team sein wollte.
    Fraglich, wie da das Teamplay tatsächlich ausfallen wird. Und Kommunalpolitik ist so wichtig wie Fußball? Echt, sooo wichtig? Und deshalb soll man austehen und wählen gehen, wegen etwas, daß so wichtig ist wie Fußball?!
    Wer hat sich diesen Humbug bloß ausgedacht?

    Team Römer im März 2011, FFM

    Ohne den Lambada hätt‘ ich das Gerät nicht genomme!

    Aus unserer Serie: „Das Schlimme stribt nie“:
    Der Lambada ist wieder da!
    Wer hätte das gedacht, dass der etwas peinliche Sommerhit aus 1989, der vor allem Mütter und Ballermanntouristen erfreute wiederkehren würde. Aber, so die These, die schlimmen Sachen sterben ja nie aus.
    Nach dem schon fast alles, was man gerne vergessen hätte gecovert wurde nun also Lambada. Interesant dabei: Niemand geringeres als Jennifer Lopez macht das, zusammen mit Schmuddelrapper „Pitbull“. Dass sie sich dafür hergibt? Die Frau ist doch reich und kann es sich vermutlich aussuchen? Ich find auch, sie sieht etwas traurig aus. Vielleicht wegen des Videos vielleicht?

    Neben der Kuriostät Lambada ist wie in fast allen Musikvideos die Geschlechterkonstruktion interessant. Oder halt Indiz einer Normalität, zumindest der des Musikvideos. Jenny from the Block darf im hautengen Glitterganzkörperkondom rumtanzen, hat aber auch ein paar Dominanzgesten drauf, die eventuell bei Madonna gelaut sind (ich denke da an den Stock), Pitbull darf sich männlich inszenieren und männlich heißt im Musikvideo: Krass viel Muskeln oder viele nackte Girls. Muskeln hat er nicht, dann also Bikinigirls, die als Insignien der Macht neben seinen Throne dancen. UUUUUAAAA!

    Jennifer Lopez
    Tags: <a href=“http://www.viva.tv“>Viva TV</a>

    SPD wirft Hohmann NICHT raus. Aber warum?

    Ist es nicht interessant, daß die SPD Sarrazin nicht rauswerfen kann oder will, die CDU echte Entgleisungen aber durchaus ahndet, und zwar ohne viel Gerede und Zack-Zack. Mein Parallelbeispiel zu Sarrazin wäre nämlich Martin Hohmann, der rechte Fuldaer Bundestagsabgeordnete, der im Juli 2004 trotz großen Rückhalts seines Wahlkreises aus der CDU und deren Bundestagssfraktion entfernt wurde, nachdem er antisemitisch aufgefallen war.
    Erinnern wir uns: Hohmann am 3.10.2003 in seiner Rede „Gerechtigkeit für Deutschland“: „Juden waren in großer Anzahl sowohl in der Führungsebene als auch bei den als auch bei den Tscheka-Erschießungskommandos aktiv. Daher könnte man Juden mit einiger Berechtigung als Tätervolk bezeichnen.“

    Woran liegt nun ein solch unterschiedliches Verfahren in den Parteien? An dem Bekenntnis der CDU zu Israel? Aber sollte sich die SPD nicht mindestens so sehr zu muslimischen Deutschen und den von Sarrazin in so ekligerweise verunglimpften Unterschichtsdeutschen bekennen?

    Mindestens zum Sozialstaat sollte doch eine SPD in der Lage sein sich zu bekennen – denn nichts anderes als Sozialstaatlichkeit – und keine großzügige – sind Transpherleistungen wie Hartz IV. Er behauptet, Sozialleistungen würden dafür sorgen daß weniger Qualifizierte fruchbarer wären, und lügt damit herum (Es gibt nämlich gar keine Daten dazu!) und behauptet weiter, nur gebildete könnten auch gebildete Kinder hervorbringen. Was für eine Scheisse! Wohlstandsrassismus ist das dann wohl.

    Vielleicht ist das der Grund, warum er in der SPD bleiben darf? Denn schließlich ist es in der Partei im Trend, daß nicht mehr jedes Kind „Gleich viel Wert“ ist, und Gutverdienende reichlich staatliche Transferleistungen, genannt „Elterngeld“ erhalten, Arme denn eben auch mal nix für die Sicherung der Renten oder schlicht Ihre Würde. Nicht vergessen: Ursula hat’s zwar durchgesetzt, die Idee kam aber von Frauenministerin Schmitt aus der SPD.

    Sarrazin verunglimpft Arbeitslose nicht erst seit seinem Bestseller: Wir erinnern uns: Sarrazin fiel schon 2008 als Berliner Finanzsenator auf mit seinem Drei-Tage-Speiseplan für Hartz-IV-Empfänger, der behauptete Arbeitslose könnten sich doch schon für 3,76 € statt des Hartz-Regelsatzes von 4,25 € „völlig gesund, wertstoffreich und vollständig ernähren“, wie S. in der „Welt“ rausposaunen durfte, dabei aber auch souverän verschwieg, daß Kinder sowieso nur für 2,28 € etwas zum Essen bekommen dürfen. Und auch damals durfte er ohne weiteres SPD Mitglied bleiben und im Amt noch dazu. Der Wahnsinn hat Methode und ist in sich stimmig.

    Hohmanns Homepage 2003

    Flo Rida: Turn around

    Boah, ich hab schon soo viel Shit gesehen. Aber das hier kommt täglich auf MTV, nicht etwas als Werbung für windige Pornoseiten, die man eh besser nicht besuchen sollte bzw. bei denen man die gesalzene Rechnung oder den Virus zur Strafe kriegt.

    Nochmal zurück dazu, warum ich mich hier aufrege. Flo rida, bei dem nicht nur der Name ausgesucht dumm und unorigninell ist, sondern auch die bisherigen „Hits“ wie „You spin me round“ oder wie-heißt-es-auf-jeden-Fall-ists-ein-Cover-von-I‘M-blue selten dämliche, peinliche Remakes ohne die Spur von Inspiration waren, hat nun einen neuen „tollen“ Song gemacht, mit David Guetta. Turn Around heißt das Machwerk es ist musikalisch arm, aber in Zeiten, in denen man sogar aus Lambarda einen Diskohit machen kann fällt es nicht weiter negativ auf — das wirklich Schlimme ist das Video:
    http://www.mtv.de/videos/22707619-flo-rida-turn-around-5-4-3-2-1.html
    Ab der zehnten Sekunde besteht das nämlich aus Frauen, die ihrem Arsch in die Karmera strecken, komisch wackeln usw.
    Wie bitte kam das durch die Aufsichtsgremien??? Warum müssen damit ausgerechnet Kinder auf MTV bestrahlt werden? ich finds sexistische Kackscheisse in Reinform, sowohl die Körper des „Sängers“ als auch der Arschwackelfrauen, die Inszenierung natürlich sowieso.

    Hammer, Hammer, Hammer. IGITT, Kapitalismus ist doch scheiße!
    Hier das Video auf MTV, danach kommen Screenshots.

    Flo Rida

    Nun werdet Ihr einwenden, daß der Typ schon auch eine Geschlechterinszenierung darstellt und der damit ja auch gar nicht gut wegkommt und schließlich den halben Tag für seine Muskeln trainieren muß. Und ein bisschen was ist dran, aber eben nur ein bisschen was. Denn: Ja, er stellt seinen Körper aus und dar. Eine Inszenierung von Männlichkeit, ganz klar. ABER er singt auch noch. Er ist der Boss, um den die anderen herumdancen.
    Er ist Chef, die Frauen sind, ja, was sind die? Unterwürfig, von Beruf vermutlich Stripperinnen? Er singt, aber die haben Nix im Leben, außer ihren hochsexualisierten Körper. Sie können nix, sie tun nix anderes als Hinternwackeln. Er ist Subjekt, sie sind Objekte, so ist das eben im Rapvideo. Ich hab mal an die Rundfunkaufsicht ne Meldung gemacht, mal sehen was dabei rauskommt.

    Florida 1
    Florida 2
    Florida 3

    Hey, youtube!

    Puh, youtube! Manchmal ist’s ja doch schön, daß es Dich gibt. Denn ohne Dich hätte ich nie so schön Zeit verschwendet und dabei über die Musikgeschichte gelernt. Nämlich über Tommy James And The Shondells, schon mal gehört? Ich auch bis dato auch nicht.

    Die sind die Vorlage für einige 80ger Remakes wie „I think we‘re alone now“ (Tiffany) oder „Monymony“ (Billy Idol) – und man muß sagen: Die Originale gewinnen nicht durch die Wiederverwertung, wie es bei einen guten Cover sein sollte, aber sie scheinen immerhin recht robust bis unzuerstörbar zu sein. Egal was man damit macht, sie behalten ihren Charme. Obwohl – Billy Idol ist schon schlimm.

    Tommy James And The Shondells
    Der Tommy

    Erst mal was zum Aufwärmen, irre, das kennst Du, auch wenn Du’s nicht kennst!
    Crimson and Clover

    Und nun Vergleiche:
    Original: I think we‘re alone now
    Plumpe Fälschung von „Tiffany“ einem one-hit-wonder aus den USA, hier in Top of the Pops, weil die Studioversion nicht frei verfügbar sein darf.
    Naja, aus anderen Gründen kurios: Fergie
    Versuch einer Reinterpretation von Lene Lovich

    Original Mony Mony
    Billy Idol Fälschung

    Die Tiffany

    Die ostdeutsche Frau. Sie ist unkompliziert.

    Schon ein paar Tage alt, nämlich vom 27.03.2011, aber trotzdem:
    „Wir Ossis sind nicht bekloppt“ ….sagt Wahlgewinnler und CDU-Fraktionsvorsitzender Sachsen-Anhalt, ein gewisser Reiner Haseloff, der dann wohl Ministerpräsident wird. Und beweist das Gegenteil: (mehr…)

    Wahnsinnig strahlend

    Schon seit 28.04 ist alles gnaz schön schimm. Als Reaktion auf Fukushima wurden nämlich nicht die Kontrollen auf radioaktiv verseuchte Produkte/Lebensmittel/Dinge verschärft, sondern – ganz im Gegenteil – erstmal die Grenzwerte raufgesetzt. Logo, gell?
    Erzählt hat das beispielsweise die Bundesverbraucherministerin Aigner auch erstmal niemanden, sondern faselt vielmehr was von „verstärkten Kontrollmaßnahmen“ und (mehr…)